12.12.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Kauder: Athen muss in der Wirklichkeit ankommen

Kauder: Athen muss in der Wirklichkeit ankommen

Unions-Fraktionschef erwartet Pokern bis zuletzt

Unions-Fraktionschef Volker Kauder hat erneut die Regierung in Athen für den schleppenden Fortgang der Verhandlungen über eine Überwindung der griechischen Schuldenkrise verantwortlich gemacht.

Berlin - "Die griechische Regierung muss in der Wirklichkeit ankommen", sagte Kauder im ARD-"Morgenmagazin". Zwar bleibe es für ihn das Ziel, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibe, doch ob dies gelinge, "haben allein die Griechen in der Hand".

Kauder riet dazu, zunächst die weiteren Verhandlungen gelassen abzuwarten. "Ich denke, dass die Griechen bis zum letzten Tag pokern werden", sagte der CDU-Politiker. Er warnte davor, auf einen "Grexit" zu setzen, denn "billiger wird es auf gar keinen Fall". Allerdings dürften sich die europäischen Partner Griechenlands auch nicht erpressen lassen.

Zuvor hatte CDU/CSU-Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone nicht mehr ausgeschlossen. "Ein Grexit ist notfalls hinzunehmen, wenn die griechische Regierung nicht endlich das tut, was alle von ihr verlangen, nämlich dass notwendige Reformen umgesetzt werden", sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Verhandlungen über die weitere Umsetzung des bestehenden Hilfsprogramms und die Auszahlung neuer Hilfskredite waren am Sonntag zunächst gescheitert. Am Donnerstag soll es ein Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe geben. Die europäischen Partner Griechenlands beharren auf Reformen als Bedingung für weitere Unterstützungsleistungen.

Der SPD-Haushaltsexperte Johannes Kahrs warf der griechischen Regierung Unzuverlässigkeit vor. Ministerpräsident Alexis Tsipras und Finanzminister Giannis Varoufakis würden in den Verhandlungen "mal einlenken, mal nicht einlenken, und dann nach Hause fahren und vor dem Parlament in Athen das genaue Gegenteil erzählen", sagte Kahrs dem Sender NDR-Info.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter wandte sich allerdings dagegen, die Schuld allein bei den Griechen zu suchen: "Man kann nicht sagen, dass nur die Griechen den Karren an die Wand fahren, sondern es sind die europäischen Institutionen und die europäischen Nationalstaaten mit dabei." Vor allem Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) würden dazu führen, dass Griechenland weiter verarmt, sagte Hofreiter dem Sender n-tv. Er forderte, auch die Argumente der griechischen Seite ernst zu nehmen.

(xity, AFP)


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