20.07.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Karlsruhe schützt vergewaltigte Frau vor neuem Trauma

Karlsruhe schützt vergewaltigte Frau vor neuem Trauma

Zeugin muss per Kameraübertragung angehört werden

Das Bundesverfassungsgericht hat eine vergewaltigte Frau, die im Prozess gegen den mutmaßlichen Täter aussagen soll, vor einer drohenden Retraumatisierung geschützt.

Karlsruhe - Das Bundesverfassungsgericht hat eine vergewaltigte Frau, die im Prozess gegen den mutmaßlichen Täter aussagen soll, vor einer drohenden Retraumatisierung geschützt. Das Landgericht Waldshut-Tiengen darf die Zeugin nur audiovisuell, also per Bild- und Tonübertragung aus einem anderen Raum anhören, wie die Verfassungshüter in einer einstweiligen Anordnung entschieden.

Die Frau soll gegen einen Angeklagten aussagen, der sie und andere Frauen mutmaßlich mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt und vergewaltigt haben soll. Die Zeugin hatte aber vergebens beantragt, sie audiovisuell zu vernehmen, weil ansonsten erste therapeutische Fortschritte gefährdet würden. Die Konfrontation mit dem Angeklagten komme für sie einem "erneuten Durchleben der Tat mit Zuschauern" gleich und könne sie retraumatisieren.

Die Verfassungshüter kritisierten nun, dass das Landgericht den Antrag der Frau zugunsten des Angeklagten ablehnte, ohne einen ärztliche Befunden zur posttraumatischen Belastungsstörung der Frau ausreichend zu berücksichtigen. Sollte das Gericht den Antrag auch abgelehnt haben, weil ihm die audiovisuelle Technik fehlt, sei das eine "unter keinem denkbaren Aspekt vertretbare Erwägung" und könne gegen das Willkürverbot verstoßen, heißt es in der Anordnung.

(xity, AFP)


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