31.10.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Käßmann fordert in Armenien-Debatte Klartext

Käßmann fordert in Armenien-Debatte Klartext

Ex-EKD-Vorsitzende: "Völkermord auch Völkermord nennen"

Die türkische Regierung wehrt sich vehement gegen die Einstufung der Massaker an den Armeniern als Völkermord.

Berlin - In der Debatte um die Einstufung der Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren als "Völkermord" fordert die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, Klartext zu sprechen. "Wir können doch nur aus der Geschichte lernen, wenn wir Völkermord auch Völkermord nennen". "Als Deutsche haben wir schließlich auch gelernt, dass die Ermordung von Millionen Juden Völkermord war, wir tiefe Schuld auf uns geladen haben."

Dieser Lernprozess habe die große Mehrheit im Land sehr sensibel gemacht für Menschenrechte sowie die Frage von Krieg und Frieden. Es sei daher gut, "dass in der Türkei selbst sich Stimmen regen, den Völkermord an den Armeniern als Teil der eigenen Geschichte anzusehen", schreibt Käßmann in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".

Die türkische Regierung wehrt sich vehement gegen die Einstufung des damaligen Geschehens als Völkermord und widerspricht auch den armenischen Angaben von 1,5 Millionen Opfern.

Der Bundestag diskutiert am kommenden Freitag über die Massaker an den Armeniern. Aus dem Antragsentwurf von Union und SPD dazu wurde der Begriff "Völkermord" auf Wunsch der Koalitionsspitzen und offensichtlich auch der Bundesregierung wieder gestrichen. Dagegen fordern Grüne und Linke wie auch eine wachsende Zahl von Koalitionspolitikern, die Verbrechen als Genozid zu bezeichnen.

(xity, AFP)


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