Jungen und Mädchen zu Mathe unterschiedlich eingestellt

Geschlechtergefälle in Deutschland besonders groß

Bei der Einstellung von Jungen und Mädchen zur Mathematik zeigt sich nach wie vor eine klassische Rollenverteilung.

Berlin - Deutschland gehört dabei einem OECD-Bericht zufolge zu den Industrieländern mit dem größten Geschlechtergefälle. Mädchen stimmen demnach eher der Aussage "Ich bin einfach nicht gut in Mathe" zu - und dies auch dann, wenn sie beim Pisa-Test genauso gut wie Jungen abschneiden.

Die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellten insgesamt ausgeprägte Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in ihrer Einstellung zu bestimmten Fächern fest. Im OECD-Schnitt kann sich laut dem Bericht weniger als eines von 20 Mädchen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später in einem sogenannten MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu arbeiten. Bei den Jungen sind es dagegen vier von zwanzig. Im Pisa-Test zeigen aber beide Geschlechter in Naturwissenschaften ähnliche Leistungen.

In den Pisa-Tests schneiden laut OECD Jungen in vielen Ländern bei den mathematischen Aufgaben besser ab, während die Mädchen beim Lesen sogar überall vorne liegen. Allerdings sind demnach Mädchen in insgesamt besonders leistungsstarken Ländern in Mathematik mit den Jungen gleichauf und erzielen weit bessere Ergebnisse als die Jungen der meisten anderen Länder. Das Leseverständnis von Jungen wiederum ist in diesen, meist asiatischen Staaten höher als das von Mädchen in schwächeren Teilnehmerländern.

Die Geschlechterdifferenzen begründeten sich also nicht durch angeborenes Unvermögen oder Vermögen, sondern "vielmehr durch eine erworbene Haltung gegenüber der Materie, der Schule beziehungsweise dem Lernen ganz allgemein", folgerte die OECD aus den Ergebnissen der Studie.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien die Unterschiede in der Bildung von Mädchen und Jungen enorm verringert worden, erklärte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Kinder müssten aber weiter dazu motiviert werden, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen. Dazu würden weder langwierige noch teure Bildungsreformen gebraucht - "es reicht, wenn Eltern, Lehrer und Arbeitgeber an einem Strang ziehen."

(xity, AFP)