12.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Jährlich hunderttausende zusätzliche Klinikbehandlungen

Jährlich hunderttausende zusätzliche Klinikbehandlungen

Studie: Zuwachs trotz fast konstanter Einwohnerzahl

Laut den gesetzlichen Kassen nehmen Kliniken vor allem Operationen vor, die sich finanziell lohnen.

Berlin - Trotz der nahezu konstanten Einwohnerzahl in Deutschland ist die Zahl der die Behandlungen in Kliniken in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dieser Zuwachs sei nicht allein mit einer älter werdenden Bevölkerung zu erklären, heißt es in einer Studie von Experten aus Berlin und Hamburg. Zwischen 2007 und 2012 stiegen die Fallzahlen demnach um 8,4 Prozent auf 18,6 Millionen - das entsprach einem jährlichen Zuwachs um bis zu 314.000 Fälle.

Ziel des vom Gesetzgeber initiierten Gutachtens war es, die Gründe für den starken Mengenanstieg bei den Krankenhausleistungen zu klären. In der Vergangenheit hatten sich Politik, Ärzteschaft, Krankenhäuser und Kassen heftige Debatten über möglicherweise unnötige Behandlungen geliefert.

Nach Meinung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bestätigt das Gutachten, dass Kliniken vor allem jene Operationen vornehmen, die sich finanziell lohnen. Mit steigenden Preisen erhöhten sich auch die Operationszahlen.

In ihrem Bericht stellten die Forscher zwar dar, dass die Kliniken auf Preisänderungen auch mit geänderten Fallzahlen reagieren. Es könne aber keine Aussage darüber getroffen werden, ob dies medizinisch begründet sei oder nicht. Der Analyse zufolge stiegen die Fallzahlen vor allem bei planbaren Operationen und Behandlungen. Besonders große Zuwächse gab es demnach unter anderem bei Eingriffen an der Wirbelsäule und Herzklappen-Operationen.

Die Experten von der Universität Hamburg und der Technischen Universität Berlin forderten in ihrem Gutachten als Konsequenz unter anderem eine verbindliche ärztliche Zweitmeinung für bestimmte Diagnosen, eine Neuausrichtung der Krankenhausplanung und eine stärkere Kopplung der Vergütung an die Versorgungsqualität.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die Vorwürfe, die Kliniken würden aus ökonomischen Gründen unnötig viel operieren, durch das Gutachten widerlegt. Ursache für den Leistungszuwachs seien vielmehr die zunehmende Zahl alter Menschen, die steigende Krankheitshäufigkeit und der medizinische Fortschritt, erklärte DKG-Präsident Alfred Dänzer.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bekräftigte hingegen ihre Ansicht, dass oft unnötig operiert werde und forderte einen Umbau der Krankenhausfinanzierung. Der CDU-Gesundheitexperte Jens Spahn erklärte, die Ergebnisse der Studie würden in die Bund-Länder-Gespräche zur Krankenhausreform einfließen. Über die Möglichkeit zur ärztlichen Zweitmeinung und gezielte Preisabschläge bei schlechter Qualität solle dann gegengesteuert werden.

(xity, AFP)


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