18.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Israel-Bild in deutschen Schulbüchern kritisiert

Israel-Bild in deutschen Schulbüchern kritisiert

Experten bemängeln Konzentration auf Nahost-Konflikt

In vielen deutschen Schulbüchern wird Israel offenbar zu einseitig im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt dargestellt.

Berlin - Zu diesem Schluss kommt die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission in einer Untersuchung. Die Autoren empfehlen, die Geschichte Israels nicht nur "eindimensional" im Kontext dieses Konflikts zu behandeln.

Für die Studie wurden 400 Schulbücher der Fächer Geschichte, Geographie und Sozialkunde untersucht. Federführend war dabei das Georg-Eckert-Institut (GEI), das sich der Schulbuchforschung widmet. Auf israelischer Seite wurden mehr als 40 Schulbücher auf das Deutschland-Bild analysiert.

In den untersuchten deutschen Schulbüchern ist den Angaben zufolge mit wenigen Ausnahmen "das Bemühen um eine objektive und ausgewogene Darstellung Israels erkennbar". Die Israel-Darstellung erscheine jedoch in den Büchern aller drei Fächer fast ausschließlich im Kontext des Nahost-Konflikts.

In Geschichtsbüchern komme es dabei zu Verkürzungen und Verzerrungen, heißt es in der Studie. Israel erscheine "primär als kriegführender Krisenstaat im Nahen Osten". Die historische Entwicklung der israelischen Gesellschaft, die Errungenschaften des jüdischen Staates und die "Besonderheit Israels als liberale Demokratie in einem nicht demokratisch geprägten regionalen Umfeld" würden in der Regel ausgeblendet.

Die Forscher empfehlen, die Geschichte Israels nicht nur im Kontext des Nahost-Konflikt zu behandeln, sondern die Geschichte des Landes auch in anderen Zusammenhängen aufzugreifen. Wenn aber der Nahost-Konflikt in der Schule behandelt werde, sei es "umso wichtiger, dass Schulbuchautoren ein breites, facettenreiches Bild der Geschichte Israels zeichnen".

Die Forscher bemängeln auch die Art und Weise der Verwendung von Bildquellen in den Schulbüchern. Dabei werde ein starker Einfluss der Massenmedien deutlich. Es würden häufig "stark symbolhaltige und emotionalisierende Bilder eingesetzt, die Israel als Aggressor zeigen", erklärte das Forschungsinstitut.

Mit Blick auf ihre flächendeckende Verbreitung könnten Schulbücher zwar als Massenmedien verstanden werden, erklärte GEI-Direktorin Simone Lässig. Ihre Aufgabe sei es aber, "didaktisch strukturiertes, gesichertes Wissen zu vermitteln und Lernende in die Lage zu versetzen, unterschiedliche Perspektiven und Argumente sachgerecht abzuwägen". Von einem Schulbuch werde eine "rationale Auseinandersetzung mit fachbezogenem Wissen" erwartet, "nicht Emotionalisierung oder Moralisierung".

Israelische Schulbücher greifen die deutsche Geschichte vor allem im Zusammenhang mit der NS-Zeit und dem Holocaust auf, aber etwa auch bei der Behandlung des Mittelalters oder im Zusammenhang mit der europäischen Aufklärung. Die Behandlung geschehe in der Regel auf "sachliche und wissenschaftliche Weise". Allerdings fehle in den israelischen Schulbüchern eine "zusammenhängende Darstellung" Deutschlands nach 1945.

(xity, AFP)


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