16.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Islamist wegen Planung von großem Anschlag zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Islamist wegen Planung von großem Anschlag zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Prozess in Hamburg beendet - 20-Jähriger wollte 200 Menschen töten

Wegen Planung eines großen Bombenanschlags hat das Hamburger Oberlandesgericht einen 20-jährigen Syrer zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Hamburg - Die Richter sahen es nach Gerichtsangaben vom Freitag als erwiesen an, dass der Mann sich über das Internet Anleitungen und Zutaten für einen Sprengsatz verschaffte und mit Versuchen zur Herstellung begonnen hatte.

Konkrete Vorbereitungen für ein Attentat gab es demnach allerdings noch nicht. Auch war es dem Angeklagten laut Ergebnis der gerichtlichen Beweisaufnahme noch nicht gelungen, den gewünschten Sprengstoff aus handelsüblichen Chemikalien herzustellen. Aus Chatprotokollen ging laut Gericht zugleich hervor, dass diesem ein Bombenanschlag in einer Größenordnung von rund 200 Toten vorschwebte.

Der 20-Jährige war nach Hinweisen des Bundesverfassungsschutzes im Oktober vergangenen Jahres in Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern festgenommen worden und sitzt seitdem in Haft. Mit dem Urteil ging das Gericht über die Forderung der Anklage hinaus, die fünfeinhalb Jahre Haft beantragt hatte. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, dagegen können noch Rechtsmittel eingelegt werden. Der Angeklagte hatte sich nach Angaben der für den Fall zuständigen Bundesanwaltschaft etwa drei Monate vor seiner Festnahme zunehmend mit dem Gedankengut der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) befasst und den Entschluss gefasst, einen Anschlag zu begehen. Dazu suchte er im Internet nach Informationen und Ansprechpartnern in einschlägigen kreisen bestellte die Grundchemikalien, mit denen er bereits hantierte.

Der Angeklagte habe seine Planungen "hartnäckig" verfolgt, betonte das Gericht einem Sprecher zufolge. Es sei offensichtlich, dass dieser zu einem Anschlag entschlossen gewesen sei, auch wenn die Vorbereitungen noch keine konkrete Stufe erreicht hätten. Die Richter bezeichneten es demnach zudem als unverständlich, warum ein bis dahin unbescholtener und persönlich zielstrebiger junger Mann diesen Weg eingeschlagen habe.

Der 20-Jährige selbst hatte in dem Verfahren nach Angaben des Gerichts während des Prozesses abgestritten, ein terroristisches Motiv gehabt und einen islamistischen Anschlag vorbereitet zu haben. Seine durch die Ermittlungen dokumentierte Suche nach Informationen sowie die Versuche zum Bombenbau erklärte er mit Neugier.

(xity, AFP)


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