Intensivmediziner sehen Beschäftigte psychisch am Limit

Kritik an Versäumnissen der Politik

Auf die hohe psychische Belastung der Beschäftigten auf Intensivstationen hat der Präsident der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, hingewiesen.

Berlin - "Die Auslastung ist weiterhin sehr hoch, die Arbeitsbelastung noch höher, die psychologische Belastung der Teams geht schon teilweise sehr an das Menschenmögliche", sagte Marx dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Zwar sei die Zahl der Covid-Patientinnen und -Patienten zuletzt wieder etwas gesunken, dies liege aber auch daran, dass "sehr viele Patienten versterben", sagte Marx. Alleine in der vergangenen Woche seien auf den Intensivstationen mehr als 1000 Menschen wegen Corona gestorben, seit Anfang November sogar mehr als 5100. "Das ist für die Teams sehr schwer zu ertragen", sagte der Divi-Präsident.

Kritik an Versäumnissen der Regierenden in Bund und Ländern äußerte der Politikwissenschaftler Herfried Münkler. "Deutschland hätte sich eine weitere Corona-Weihnacht ersparen können", sagte er dem Portal "t-online.de". Münkler wies darauf hin, dass "schon im Juli die ersten Modellierer davor gewarnt haben, dass sich eine vierte Welle aufbaut".

Vor allem die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder hätten jedoch "nur von heute auf morgen" gedacht, kritisierte der Wissenschaftler. "In einer Pandemie ist das keine besonders gute Strategie." Die dadurch mitverursachte dramatische Lage erleichtere allerdings nun das politische Handeln. "Die Regierenden brauchen eine gewisse Krisenhaftigkeit, um einschneidendes Handeln gegenüber der Bevölkerung legitimieren zu können", sagte Münkler.

(xity, AFP)