27.06.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Institut: Lage in einigen West-Kommunen so prekär wie im Osten

Institut: Lage in einigen West-Kommunen so prekär wie im Osten

Warnung vor "Krisengebieten" im Westen

Einige westdeutsche Kommunen stehen nach Einschätzung der Experten vor ähnlichen demografischen und wirtschaftlichen Problemen wie ostdeutsche Landkreise nach der Wiedervereinigung.

Berlin - "Im Ruhrgebiet und Teilen des Saarlands fallen einzelne Städte deutschlandweit immer weiter zurück", hieß es in einer am Freitag in Berlin vorgestellten Analyse des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zur Zukunftsfähigkeit deutscher Gemeinden und Regionen.

Darin wurden rund 400 Kommunen nach 21 Kriterien bewertet, um ihre Entwicklungsmöglichkeiten vorhersagen zu können. Dazu gehörten nach Angaben des Instituts unter anderem Daten zu Wirtschaftsstärke und -potenzialen, Zu- und Abwanderungen, Immobilien- und Bildungssektor sowie zur kommunalen Verschuldung oder zur Familienfreundlichkeit.

In einigen westdeutschen "Krisengebieten" sei die Lage inzwischen ähnlich schwierig wie in strukturschwachen ländlichen Regionen in Sachsen-Anhalt, Teilen Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs. "Dort stehen manche Gebiete vor ähnlichen Herausforderungen wie ostdeutsche Kreise nach der Wiedervereinigung", hieß es.

Auf dem letzten Platz des aktuellen Zukunftsfähigkeitsrankings des Forschungsinstituts löste das nordrhein-westfälische Gelsenkirchen den Landkreis Uecker-Randow im östlichen Mecklenburg-Vorpommern ab. Direkt davor lagen das rheinland-pfälzische Pirmasens sowie der Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Neben Gemeinden in Sachsen-Anhalt und Brandenburg finden sich am Ende der Liste zudem Kommunen aus Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Niedersachsen.

Zur Begründung verwiesen die Verfasser auf eine Negativspirale aus wirtschaftlichem Strukturwandel, hoher Arbeitslosigkeit, dem Fehlen erfolgreicher örtlicher Unternehmen sowie der Abwanderung qualifizierter junger Menschen. An der Spitze des Rankings stehen dagegen ökonomisch starke Kommunen vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, etwa in den Einzugsgebieten von München und Stuttgart.

Erst am Donnerstag hatte eine Initiative aus mehr als 70 finanzschwachen Städten und Kommunen vor den Folgen anhaltender Verschuldung und fehlender Investitions- und Entwicklungschancen in bestimmten Problemgebieten gewarnt. Das zunehmende Auseinanderdriften zwischen prosperierenden und abgehängten Regionen werde auch die politischen und sozialen Spannungen in Deutschland verstärken, erklärte das bundesweite Aktionsbündnis für die Würde unserer Städte in Berlin.

In der Organisation sind unter anderem viele Städte aus westlichen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland vertreten. Zu ihren Forderungen gehört die Entlastung von Altschulden, die durch gesetzliche Pflichtaufgaben im sozialen Bereich entstanden. Bund und Länder sollen sich an einem Fonds beteiligen, um die Kommunen beim Schuldendienst zu entlasten und ihnen dadurch Möglichkeiten für Zukunftsinvestitionen zu eröffnen.

(xity, AFP)


Copyright 2019 © Xity Online GmbH