19.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Inklusions-Gutachten für die Stadt Krefeld

Inklusions-Gutachten für die Stadt Krefeld

Mögliche Auswirkungen einer schulischen Inklusion

Die Stadt Krefeld war neben dem Kreis Minden-Lübbecke Gegenstand eines vom Land Nordrhein-Westfalen zum Thema Inklusion in Auftrag gegebenen Gutachtens von Professor Dr. Klaus Klemm.

Krefeld - Der Dozent der Uni Essen-Duisburg sollte innerhalb eines Monats analysieren, welche "Mögliche finanzielle Auswirkungen einer zunehmenden schulischen Inklusion in den Schuljahren 2014/15 bis 2016/17“ haben werde. Das Land wollte damit die Zahlen eines von den Kommunalen Spitzenverbänden in Auftrag gegebenen Gutachtens widerlegen, das eine solche Kostenermittlung am Beispiel der Stadt Essen und des Kreises Borken bereits darstellt und dabei zu einem für das Land erschreckenden Ergebnis kam.

Im Pressegespräch stellte Krefelds Schuldezernent Gregor Micus fest, dass das neue Gutachten, obwohl es deutlich niedrigere Kosten darstellt, klar belege, dass die Bagatellgrenze des Konnexitätsausführungsgesetzes deutlich überschritten sei. Demzufolge habe das Land die Kosten der schulischen Inklusion zu tragen. Micus machte deutlich, dass die Stadt Krefeld sich einer Sammelklage anschließen werde, falls das Land dies nicht unverzüglich anerkenne. Er forderte eine sofortige Abschlagszahlung des Landes, um den Städten die bereits getätigten Ausgaben zu erstatten und außerdem die Anerkennung der vollständigen Kosten der Inklusion. Damit stellte der Krefelder Schuldezernent die abweichende Meinung der Kommunen gegenüber dem Klemm-Gutachten fest.

In vier Punkten sei das Gutachten fehlerhaft: Zum einen gehe es trotz Beschulung von Inklusionskindern von gleichbleibenden Klassengrößen aus, zum anderen stelle es fest, dass es besser sei, dauerhaft Schwerpunktschulen zu bilden. Letzteres sei womöglich pädagogisch sinnvoll, entspreche aber nicht den Vorgaben des neuen Landesgesetzes zur Inklusion. Außerdem werden in dem Klemm-Gutachten keine zusätzlichen Schülerfahrtkosten berechnet, was in der Praxis jedoch nicht denkbar sei. Der wichtigste, weil kostenintensivste Posten sei jedoch die im Gutachten nicht anerkannte Berücksichtigung der vollen Personalkosten, obwohl diese durch die Systemumstellung entstehen.

Micus stellte dar, dass er keineswegs den Gutachter Professor Klemm schelten wolle, denn der habe selbst erklärt, dass in so kurzer Zeit eine umfassende Erhebung nicht möglich sei und die Zahlen nur grob kalkuliert seien. Insbesondere die Aufteilung in zwei verschiedene Ausgabenblöcke – und dabei der eine `Ausgabenblock Personalkosten´ laut Klemm nicht zu den Kosten der Inklusion gehöre, da diese nach dem Sozialgesetzbuch entstünden – könne von der Stadt Krefeld so nicht akzeptiert werden.

In Krefeld als Stadt mit weit entwickelter Inklusion, besuchten im Schuljahr 2013/14 bereits 43 Prozent aller Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf allgemeine Schulen. Orientiert am landesdurchschnittlichen Ziel, bis 2017/18 etwa 50 Prozent der Schüler mit Förderbedarf inklusiv zu unterrichten, ging Klemm bei den Ausgabenberechnungen für das Jahr 2016/17 für Krefeld von einer Zielquote von 54 Prozent aus. Die Ausgaben, die bis einschließlich 2016/17 zu erwarten seien, betragen – so das Ergebnis der Studie – für die Schaffung der schulischen Voraussetzungen der Inklusion (Ausgabenvolumen I und somit Bestandteil der Konnexität) in Krefeld 615 000 Euro für drei Jahre, das heißt pro zusätzlich inklusiv unterrichtetem Schüler 4700 Euro. Dazu kommen laut Klemm-Gutachten für "die schulische Inklusion unterstützende Maßnahmen“ (Ausgabenvolumen II und somit nicht von der Konnexität berührt) noch einmal 302 000, das heißt, je zusätzlich inklusiv unterrichtetem Schüler 2300 Euro. Für den Kreis Minden-Lübbecke, dessen Daten ebenfalls in die Studie einflossen, fallen die Ausgaben jeweils höher aus.

Krefelds Schuldezernent machte noch eine weitere Schwachstelle des neuen Inklusionsgesetzes deutlich: Es müssen endlich landesweite Standards definiert werden. Außerdem forderte er eine jährliche Evaluation, um die tatsächlichen Kosten der Inklusion situativ zu erfassen und anzupassen.


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