30.10.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Initiative zu Gewehr G36 wurde wohl nicht weiterverfolgt

Initiative zu Gewehr G36 wurde wohl nicht weiterverfolgt

Waffe sollte schon vor einem Jahr verbessert werden

Wegen der Mängel am Sturmgewehr G36 hat es in der Bundeswehr laut einem Zeitungsbericht bereits vor einem Jahr eine Initiative zur Verbesserung der Waffe gegeben, die aber offenbar nicht weiterverfolgt wurde.

Berlin - Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Dokumente vom Amt für Heeresentwicklung. Die Behörde habe im März 2014 unter dem Aktenzeichen 79-10-05 eine Initiative mit dem Titel "System Gewehr G36 Produktverbesserung" vorgelegt.

In dem Papier heißt es laut "SZ", das G36 habe sich "in nahezu 20 Jahren als Standardbewaffnung" bewährt ? doch es seien ?Eigenschaften des Systems G36 identifiziert worden, die sich als Fähigkeitslücke auswirken und die für die Streitkräfte im Einsatz dauerhaft nicht hinnehmbar" seien. So müsse die Waffe ergonomisch "an die aktuellen und künftigen Einsatzerfordernisse" angepasst werden, zudem solle die "Möglichkeit zur Aufnahme leistungsfähiger Optiken, Nachtsicht- und Peripheriegeräte" geschaffen werden.

Das Amt für Heeresentwicklung mahnte dem Bericht zufolge außerdem an, die Präzision des Gewehrs müsse "auch nach intensivem Feuerkampf sowie bei erheblichen Änderungen der Außentemperatur" erhalten bleiben. Die Präzisionsprobleme des G36 unter diesen Bedingungen werden seit längerem diskutiert.

Die Folgen beschreibt das Amt für Heeresentwicklung laut "SZ" so: "Bei Inkaufnahme der Fähigkeitslücke verfügen die Streitkräfte mit dem System G36 als querschnittliche Hauptbewaffnung des einzelnen Soldaten auf kurze und mittlere Entfernungen nicht über die erforderliche Wirkung, Durchsetzungsfähigkeit und Fähigkeit zur Zieldiskriminierung im Einsatz. Dies erhöht im Umkehrschluss die Gefährdung für Leib und Leben der Soldaten im Gefecht." Daher solle die technische Machbarkeit der geforderten Optimierung umgehend untersucht werden. Es werde "empfohlen, diese Initiative mit hoher Priorität in die Mittelfristplanung aufzunehmen".

Zur Frage, wie mit der Initiative verfahren wurde, wollte sich das Verteidigungsministerium unter Verweis auf die anstehenden Untersuchungen zweier Expertengremien zum G36 gegenüber der "SZ" nicht äußern. Offenbar sei die Initiative damals zurückgestellt worden, weil eine weitere Untersuchung des Gewehrs begann.

Vor diesem Hintergrund griff die Grünen-Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) an. Diese müsse "die Fehler in ihrer Amtszeit und die dafür Verantwortlichen" benennen sowie "ein für allemal diese verheerende Kultur in ihrem Ministerium" ändern. "Wenn das nicht geschieht, wird ein Untersuchungsausschuss diese Aufklärungsarbeit leisten müssen", drohte Brugger.

Ihr Fraktionskollege Tobias Lindner sagte der "SZ": "Frau von der Leyen hat sich das Ganze ein Jahr lang angeschaut." Die Frage sei, warum die Ministerin erst jetzt die Kommissionen zum G36 einsetze.

(xity, AFP)


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