In der neuen Heimat angekommen

Flüchtling findet dank Arbeitsagentur Anschluss

Louai Dakhel kam mit 44 Jahren nach Deutschland. Er musste einen Neuanfang machen, fand aber dank der Arbeitsagentur Mönchengladbach Anschluss in Deutschland. Und eine neue Arbeitsstelle.

Mönchengladbach - "Am Ende war es eine ganz gewöhnliche Vermittlung", so beschreibt es Michael Faßbender. Der Vermittler im Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Mönchengladbach suchte Ende vergangenen Jahres für Stefan Steinhäuser einen neuen Mitarbeiter. Der Inhaber eines IT-Services in Mönchengladbach benötigte einen Programmierer und wandte sich an Michael Faßbender, der sein persönlicher Ansprechpartner bei der Arbeitsagentur Mönchengladbach ist. Dieser forschte unter den gemeldeten Arbeitslosen nach einem passenden Profil. Und wurde schnell fündig. "Sehr gut passte Herr Dakhel auf die angebotene Stelle." Michael Faßbender rief Louai Dakhel an, berichtete ihm von der angebotenen Chance, gab ihm die Kontaktdaten des Arbeitgebers. Es gab ein Vorstellungsgespräch, engere Wahl und schließlich Arbeitsvertrag zum 2. Januar 2016. Standardgeschäft für die Arbeitsagentur? Nicht ganz.


Ende März 2014 kam Louai Dakhel nach Deutschland, geflohen aus der syrischen Stadt Aleppo. Weg von Gewalt, Terror und Krieg. Aber auch weg aus der Heimat, in der er aufwächst, das Abitur macht, sein Studium als Diplomingenieur für Informatik und Computertechnik abschließt, als Dozent für Informatik an verschiedenen Universitäten lehrt, als selbstständiger Programmierer Anwendungssoftware entwickelt und als IT-Administrator arbeitet. Kenntnisse und Erfahrungen, die der mitnehmen kann.

Leicht war der Beginn in Deutschland nicht, doch Louai Dakhel nutzt die angebotenen Möglichkeiten. Der damals 44-Jährige absolvierte alle Integrations-, Sprach- und Weiterbildungskurse, die ihm von der Arbeitsagentur und vom Jobcenter Mönchengladbach vorgeschlagen wurden. ?Er ist immer sehr nett, höflich und lernbereit gewesen?, sagt Heike Hoppen, die Louai Dakhel als Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Mönchengladbach betreute. ?Sympathisch?, das ist auch das erste Wort, das Michael Faßbender zu Louai Dakhel einfällt. Bei seinem neuen Arbeitgeber punktete er ebenfalls mit seinem Auftreten: ?Herr Dakhel war beim Vorstellungsgespräch sehr sympathisch und engagiert?, erinnert sich Stefan Steinhäuser. ?Seine Defizite in der deutschen Sprache machte er mit Begeisterungsfähigkeit und ehrlichem Interesse mehr als wett. Ich glaube allerdings nicht, dass ich nach rund eineinhalb Jahren in Syrien die Sprache so gut beherrschen würde, wie er unsere."

Eine Erfahrung, die Angela Schoofs, Leiterin der Arbeitsagentur Mönchengladbach, bei vielen nach Deutschland geflüchteten Menschen macht. "Sprache ist der Schlüssel zur Integration, deshalb fördern wir neben der reinen Fachlichkeit auch die dazugehörige Fachsprache deutlich stärker als früher. Wir beobachten auch, dass die geflüchteten Menschen sehr engagiert sind, sie wollen lernen, wollen eine Ausbildung machen oder arbeiten."
Louai Dakhel ist sehr froh, dass es mit der Arbeitsstelle geklappt hat: "Mir gefällt meine Arbeit sehr gut, mein Chef und meine Kollegen sind sehr nett und hilfsbereit", erzählt er. "Meine aktuelle Arbeit ist die gleiche wie in Syrien, Programmieren kann man weltweit. Es gibt da keine so großen Unterschiede. Der Rahmen des Datenschutzes wird hier strenger kontrolliert und fast alle Software ist in Syrien im Gegensatz zu hier kostenlos und ohne Lizenz." Wenn es mal Sprachprobleme mit den Kunden gibt, weiß sich der heute 46-Jährige zu helfen: "Ich verständige mich natürlich auf Deutsch. Bei den komplizierten Worten versuche ich sie so einfach wie möglich zu erklären. Und falls meine Kunden ein schwieriges Wort sagen, bitte ich sie, es leichter zu erklären."

Für die ersten drei Monate gab es vom Jobcenter Mönchengladbach einen Zuschuss zu den Gehaltskosten, den sogenannten Eingliederungszuschuss (EGZ). Dieser wird gezahlt, wenn der neue Mitarbeiter oder die neue Mitarbeiterin nicht ganz dem Anforderungsprofil der neuen Stelle entspricht und mehr als üblich eingearbeitet und qualifiziert werden muss. "Es ist gut, dass wir diese Möglichkeiten der Förderung haben", betont Angela Schoofs. "Wir setzen sie auch für alle Zielgruppen individuell ein, unabhängig ob das Unternehmen eine Alleinerziehende, einen Älteren, eine Langzeitarbeitslose oder wie hier einen geflüchteten Menschen einstellt."
Für Stefan Steinhäuser ist sein neuer Mitarbeiter ein Gewinn: "Er kann seine profunden Kenntnisse im Bereich der Programmierung auch in ihm noch nicht so vertrauten Bereichen einsetzen und arbeitet sich mit großem Willen und Engagement auch in neue Bereiche ein. Außerdem ist er einfach ein sympathischer Typ."

Ist es eine besondere Herausforderung, einen Menschen zu beschäftigen, der aus einem Kriegsgebiet geflüchtet ist? "Ehrlich gesagt habe ich mir dazu zunächst keine Gedanken gemacht. Louai Dakhel passte als Mensch mit der nötigen Qualifikation zu unserem Bedarf. Hierfür war sein Hintergrund nicht ausschlaggebend. Natürlich haben meine Mitarbeiter, Kunden und ich es trotzdem mit einem Menschen zu tun, der Schreckliches erlebt hat. Diesbezüglich kann ich aber nur dafür sorgen, dass er selbstbestimmt seinen Lebensunterhalt verdienen kann und ihm ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem er sich möglichst wohlfühlt und respektiert wird", betont Stefan Steinhäuser.


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