Immer mehr Menschen arbeiten bis ins Alter

Späterer Renteneintritt führt aber auch zu Arbeitslosigkeit

Immer mehr Menschen bleiben über das 60. Lebensjahr hinaus erwerbstätig.

Berlin - Die Quote der Arbeitnehmer, die bis 65 berufstätig bleiben, ist im Jahr 2014 auf 38,8 Prozent gestiegen, wie aus einer am Dienstag vom Bundesfamilienministerium veröffentlichten Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen hervorgeht. Im Jahr 2008 hatte der Anteil noch bei 27,7 Prozent gelegen.

Allerdings lag die Quote der Erwerbstätigen bei den Jüngeren deutlich höher. Im Jahr 2014 waren noch 86,3 Prozent der 42- bis 47-Jährigen berufstätig, bei den 54- bis 59-Jährigen waren es noch 76,1 Prozent. Auch die Zahl der Senioren, die im Ruhestand einer Erwerbsarbeit nachgehen, hat deutlich zugenommen - und zwar von 5,1 Prozent in 1996 auf 11,6 Prozent in 2014. Ähnlich wie bei der Erwerbsbeteiligung vor dem Ruhestand sind vor allem Männer, höher Gebildete und Westdeutsche eher im Ruhestand erwerbstätig.

Eine Erwerbstätigkeit im Ruhestand wird den Angaben zufolge überwiegend in Teilzeit geleistet und ist nicht unbedingt an den früheren Arbeitsplatz gebunden ? nur etwa ein Viertel der erwerbstätigen Ruheständler arbeitet für den letzten Arbeitgeber. Häufiger ist eine selbstständige Tätigkeit ? bei den 66- bis 71-Jährigen sind es beispielsweise 38,2 Prozent.

Die Erwerbsquote der älteren Menschen ist für die Rentenpolitik von Bedeutung. Denn Kritiker befürchten, dass die Rente mit 67 zu verstärkter Altersarmut führen wird, weil viele Menschen nicht bis zu diesem Alter berufstätig sein können.

Das Alter, in dem die Berufstätigkeit beendet wird, ist der Studie zufolge aber oft nicht identisch mit dem des Renteneintritts. Die 66- bis 71-Jährigen, die 2014 befragt wurden, sind im Schnitt mit 62,3 Jahren in Rente gegangen, haben aber im Schnitt bereits mit 57,8 Jahren aufgehört zu arbeiten. "Immer weniger älteren Erwerbstätigen gelingt ein nahtloser Übergang in die Altersrente", heißt es in der Studie. 1996 hätten nur 3,6 Prozent direkt vor dem Ruhestand eine Phase der Arbeitslosigkeit erlebt. 2014 seien mehr als viermal so viele gewesen.

Die Studie zeigt zudem, dass es den Menschen in der zweiten Lebenshälfte insgesamt immer besser geht: Gut zwei Drittel von ihnen seien körperlich kaum eingeschränkt. Knapp 40 Prozent berichteten über keine oder nur eine Erkrankung. Die 40- bis 85-Jährigen treiben häufiger Sport als noch vor 20 Jahren. Besonders deutlich zeige sich dieser Trend bei den über 60-Jährigen.

"Die zweite Lebenshälfte ist vielfältig und das Bild vom Alter wandelt sich zum Positiven", erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). Die Mehrheit in dieser Phase äußere sich zufrieden, sei bei guter Gesundheit und "kann sich auf die Familie als wichtige Stütze verlassen". Es gebe aber auch erhebliche Ungleichheiten, die beseitigt werden müssten - zum Beispiel bei den Einkommen in Ost und West sowie zwischen Männern und Frauen.

(xity, AFP)