Immer mehr Kinder lassen sich testen

Angebot in Kitas wird gut angenommen

Seit mehr als drei Wochen sind auch alle Mädchen und Jungen zwischen drei und sieben Jahren in den Kindertagesstätten in die Teststrategie der Stadt einbezogen.

Wertheim - Alle Einrichtungen, unabhängig von der Trägerschaft, bieten einmal wöchentlich die sogenannten „Nasenbohrtests“ an. Die Möglichkeit wird zunehmend besser genutzt. „Es werden jede Woche mehr Kinder“, berichtet Jaqueline Senou, die Leiterin der kommunalen Kindertagesstätte in Bettingen. Eine Beobachtung, die das Referat Bildung und Familie in der Stadtverwaltung bestätigt. „Regelmäßige und breit angelegte Testungen sind ein sinnvolles und wirksames Instrument zur Eindämmung der Pandemie“, sagt Referatsleiter Uwe Schlör-Kempf.

In Senous Büro treffen sich an einem Montagnachmittag die Brüder Milan, 6, Paul und Oskar, beide 4, gemeinsam mit ihrer Mutter Julia Wiechert. Die Leiterin der Kita hat bereits alle notwendigen Materialien gerichtet. Getestet werden an diesem Tag aber nur die Zwillinge Paul und Oskar. Weil Milan vorher Nasenbluten hatte, bleibt ihm die Prozedur diesmal erspart. Paul ist der erste, der sich auf den Stuhl neben seine Mutter setzt. Begeisterung ist es nicht, die sich auf seinem Gesicht abzeichnet. Anfangs sei er auch ein bisschen skeptisch gewesen, erzählt Julia Wiechert. Selbst die kleinen Schokoladeneier, die in einem Körbchen auf dem Tisch stehen und die als Belohnung warten, konnten ihn nicht unbedingt locken.

Viel mehr motiviert ihn der Stempel, den Jaqueline Senou nach jedem Testen in ein grünes Heftchen drückt. Den wollte und will er haben. „Für Paul. Ich habe mich getestet“, steht auf dem Titel über der Zeichnung zweier Superhelden. Den „Testpass“ habe man sich im Team als zusätzlichen Anreiz für die Kinder ausgedacht, informiert Senou. Unterdessen führt Julia Wiechert Paul das Wattestäbchen zunächst ins linke, dann ins rechte Nasenloch und dreht es dort vorsichtig. Dann gibt sie es an die Kita-Leiterin weiter.

So oder so ähnlich läuft es in allen Wertheimer Betreuungseinrichtungen. Die Eltern nehmen den Nasenabstrich an ihren Kindern an oder in der Einrichtung selbst vor, die Erzieherinnen kümmern sich um Auswertung und Dokumentation der Ergebnisse. Sollte der Test positiv ausfallen, nimmt die Kindertagesstätte umgehend Kontakt mit den Eltern auf. „Bis jetzt waren bei uns aber alle Tests negativ“, berichtet Jaqueline Senou. Das vorher mit den Eltern einvernehmlich festgelegte Verfahren findet viel Zustimmung und die freiwilligen und kostenlosen Tests werden gut angenommen. Die Nachfrage steigt stetig. Vorerst ist die Aktion bis Ende Juni geplant.

Ausreichend Test-Kits für diesen Zeitraum hat die Stadt besorgt und zur Verfügung gestellt. Das lässt sie sich einiges kosten. Im Bereich der Kitas werden für Kinder über drei Jahre, circa 48.000 Euro an Mehraufwendungen entstehen. Das Land erstattet davon voraussichtlich 30 Prozent, das sind 14.400 Euro. Werden auch Kinder unter drei Jahren in die Tests einbezogen, werden die Kosten hierfür mit 13.000 Euro beziffert. Die Erstattung durch das Land soll in dem Fall 68 Prozent, das wären 8.840 Euro, betragen. Insgesamt würde sich im Bereich der Kitas ein von der Stadt Wertheim zu tragendes Defizit in Höhe von 38.160 € ergeben.