Hollywood-Star Hardy Krüger mit 93 Jahren gestorben

Berliner brachte es nach Zweitem Weltkrieg zu Weltruhm

Der deutsche Hollywood-Star Hardy Krüger ist tot. Der Schauspieler sei im Alter von 93 Jahren "plötzlich und unerwartet" gestorben, teilte seine Künstleragentur in Hamburg mit. Der gebürtige Berliner lebte zuletzt im US-Bundesstaat Kalifornien.

Er war Schauspieler, Schriftsteller und ewiger Sonnyboy: Der deutsche Hollywood-Star Hardy Krüger ist tot. Der Schauspieler sei am Mittwoch im Alter von 93 Jahren "plötzlich und unerwartet" gestorben, teilte seine Künstleragentur in Hamburg am Donnerstag mit. Der gebürtige Berliner lebte zuletzt in Palm Springs im US-Bundesstaat Kalifornien und in Hamburg. Als seine "wirkliche Heimat" bezeichnete er jedoch seine Geburtsstadt.

"Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Ehefrau Anita, mit der er 46 Jahre lang glücklich zusammen war, und seiner Familie", erklärte die Agentur. Krüger habe sich zeitlebens gegen das Vergessen der Verbrechen der Nationalsozialisten engagiert. Der Kampf gegen Rassismus sowie die Aufklärung der Jugend seien sein Lebenswerk gewesen. "Seine Herzenswärme, seine Lebensfreude und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn werden ihn unvergessen machen", hieß es.

Krügers leidenschaftliches Engagement gegen Rassismus war eng mit seiner eigenen Biografie verwoben, die sich in Teilen wie ein Drehbuch liest. Als Sohn zweier begeisterter Nationalsozialisten musste Krüger die sogenannte Ordensburg Sonthofen im Allgäu besuchen, ein Eliteinternat für zukünftiges Führungspersonal der Nationalsozialisten.

Bei den Dreharbeiten für seinen ersten Film "Junge Adler" schloss er als 15-Jähriger Freundschaft mit dem wesentlich älteren Schauspieler Hans Söhnker, der in seinem Landhaus Juden versteckte und ihnen zur Flucht verhalf. Krüger wurde als Kurier in die Gruppe der Fluchthelfer aufgenommen.

Als Panzergrenadier an der Front wurde er 1945 wegen "Feigheit vor dem Feind" zum Tod verurteilt, weil er sich geweigert hatte, auf US-Soldaten zu schießen. Doch der SS-Soldat, der das Urteil vollstrecken sollte, schoss nicht, sondern schickte Krüger als Melder in den Bombenhagel. Er überlebte. Später geriet er in US-Kriegsgefangenschaft, aus der er fliehen und sich nach Berlin durchschlagen konnte.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm Krügers Schauspielkarriere ihren Anfang. Er begann als Statist am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und ergatterte dann erste kleinere Filmrollen in deutschen Unterhaltungsstreifen. Sein Durchbruch vor der Kamera gelang ihm im Jahr 1956 mit der Hauptrolle im englischen Kriegsfilm "The One That Got Away".

Von da an ging es mit seiner Karriere steil bergauf. In rund 75 Filmen spielte Krüger die Hauptrollen, darunter im Abenteuerfilm "Hatari" oder im Hollywood-Klassiker "Der Flug des Phoenix". Für seine Rollen erhielt er zahlreiche Filmpreise. Gegen Ende der 70er Jahre widmete er sich zunehmend der Schriftstellerei und nahm nur noch selten internationale Filmangebote an.

Im Fernsehen blieb Krüger noch länger präsent, etwa als Feldmarschall Erwin Rommel im US-Mehrteiler "Der Feuersturm". Im Norddeutschen Rundfunk präsentierte er von 1987 bis 1995 als "Weltenbummler" spektakuläre Gegenden in einem persönlichen Reisetagebuch.

Zum letzten Mal stand er 2011 für das Melodrama "Familiengeheimnisse" vor der Kamera, das von Kritikern jedoch zerrissen wurde. Danach schrieb Krüger, der seit 1978 in dritter Ehe verheiratet war, mehrere Romane und engagierte sich in verschiedenen Initiativen gegen Rechtsextremismus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Krüger in einem Kondolzenzschreiben an dessen Ehefrau Anita am Donnerstag als "großen deutschen Schauspieler", dessen Wirken "von spürbarer Leidenschaft zum Fach, von unvergleichlicher Wandlungsfähigkeit und von beeindruckender Ausdruckskraft geprägt" gewesen sei. Die Nachricht von seinem Tod habe ihn "sehr getroffen", erklärte er.

"Hardy Krüger hat über Jahrzehnte hinweg Millionen Menschen als Schauspieler, Schriftsteller und Weltreisender in seinen Bann gezogen", erklärte Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) anlässlich seines Tods. Sein bewundernswertes Engagement gegen Rechtsextremismus bleibe unvergessen.

Krüger hinterlässt drei Kinder aus seinen ersten beiden Ehen. Sein Sohn Hardy junior und seine Tochter Christiane sind ebenfalls Schauspieler.

© 2022 AFP