16.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Hochseedrama meets Liebesgeschichte

Hochseedrama meets Liebesgeschichte

'Die Farbe des Horizonts' nach wahrer Geschichte

In einem nicht immer stimmigen, aber durchaus packenden Tatsachenbericht verbindet Baltasar Kormákur ein Hochseedrama mit einer Liebesgeschichte.

Düsseldorf - Im Jahr 1983 verschlägt es die kalifornische Abenteurerin Tami Oldham (Shailene Woodley) nach Tahiti, wo sie sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt und begierig nach spannenden Erfahrungen Ausschau hält. Eines Tages läuft sie dem britischen Segler Richard Sharp (Sam Claflin) über den Weg. Eine Begegnung, die beide tief beeindruckt und rasch zu einer leidenschaftlichen Beziehung führt. Als Richard von Bekannten das Angebot erhält, eine Luxusjacht nach San Diego zu überführen, will Tami ihn zunächst nicht begleiten, lässt sich dann aber doch umstimmen. Auf seiner großen Reise gerät das Paar mitten im Pazifik in einen verheerenden Hurrikan, der ihr Boot durchschüttelt und stark beschädigt. Irgendwann erwacht Tami aus ihrer Ohnmacht und erspäht im Wasser ihren schwer verletzten Freund.

Dass er nach dem Fischerdrama "The Deep" und dem Bergsteigeralbtraum "Everest" ein Gespür für die packende Rekonstruktion realer Unglücke hat, beweist der spanisch-isländische Filmemacher Kormákur schon in den ersten Minuten. In einer langen, fließenden Einstellung wird der Zuschauer Zeuge, wie die orientierungslose Tami ihr Bewusstsein wiedererlangt, sich im chaotischen Schiffsbauch langsam vortastet, an Deck klettert und dort das ganze Ausmaß der Zerstörung begutachtet, während sich die Kamera nun langsam entfernt, um die Verlorenheit auf dem offenen Meer preiszugeben. Ein starker Einstieg, der das Publikum sofort ins Geschehen hineinzieht.

Ähnlich wie die im März 2018 veröffentlichte Segelodyssee "Vor uns das Meer", die ebenfalls auf realen Begebenheiten basiert, gibt sich "Die Farbe des Horizonts" nicht nur mit dem Überlebenskampf zufrieden. Immer wieder springt die Erzählung zurück und bebildert das Kennenlernen der Protagonisten, ihre Annäherung und ihren gemeinsamen Aufbruch. Einige schwärmerische Dialoge und die sonnendurchflutete Postkartenoptik lassen den Film mehr als einmal in kitschige Gefilde abgleiten. Da jedoch die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt und sie die aufkeimenden Gefühle charmant vermitteln, fallen die Sentimentalitäten nicht allzu negativ ins Gewicht.

Indem das Drehbuch ständig zwischen den Handlungssträngen hin- und herwechselt, verliert der Survival-Part manchmal allerdings an Wucht und bleibt so beispielsweise hinter der Intensität zurück, die der Ein-Mann-Katastrophenstreifen "All Is Lost" (2013) mit Robert Redford durch eine konsequente Reduktion erreicht. Nichtsdestotrotz gelingen Kormákur mehrere fesselnde Sequenzen. Und noch dazu überzeugt Shailene Woodley als zupackende, unbeugsame Kämpferin, der keine Herausforderung zu groß ist, um sich und ihren bewegungsunfähigen Partner aus der misslichen Lage zu befreien.

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