Herausforderungen einer wachsenden Stadt

OB Geisel setzt Wohnungsbau in den Fokus

Für Oberbürgermeister Thomas Geisel war es eine Premiere, für die Wirtschafsförderung der Landeshauptstadt Düsseldorf und ihre 38 Standpartner aus der Immobilienbranche bereits die 15. Wiederholung.

Düsseldorf - Die Teilnahme an der Expo Real in München, der größten Immobilienmesse in Europa. Dort trifft sich alljährlich die Immobilienbranche, von Projektentwicklern und Investoren, über Architekten und Makler bis hin zu Stadtplanern und Wirtschaftsförderern, um Kontakte zu knüpfen, Märkte zu sondieren und die aktuellen Branchenentwicklungen zu beobachten.
"Einwohnerzahl neun Jahre vor den Prognosen"
Der Düsseldorfer Oberbürgermeister setzte mit einer programmatischen Rede zu den aktuellen Herausforderungen einer wachsenden Stadt einen neuen Akzent. So analysierte OB Geisel die Stärken und Schwächen des Immobilienstandortes gründlich und scheute dabei auch nicht vor einem kritischen Blick auf bisherige Planungen zurück: "Düsseldorf war mit seinen Bevölkerungsprognosen zu vorsichtig. Wir haben bereits jetzt die Schwelle von 600.000 Einwohnern erreicht, was bedeutet, dass die in unsrem Stadtentwicklungskonzept für 2025 prognostizierte Einwohnerzahl von 605.000 vermutlich neun Jahre früher eintreten wird, als wir erwartet haben!"
Wohnungsbau im Fokus
Die aktuelle Situation am Wohnungsmarkt zeige, dass dieser in den unteren und mittleren Segmenten mit diesem starken Bevölkerungszuwachs nicht mithalten könne, fasste OB Geisel zusammen. Die Wohnbauinvestoren haben – aus ihrer Sicht verständlich – Projekte überwiegend in den oberen Marktsegmenten realisiert. Die so genannten "Sickereffekte", die die Bautätigkeit in den oberen Segmenten zweifelsohne nach sich zögen, reichten quantitativ nicht aus, um die stark gestiegene Nachfrage an der Basis und in der Mitte der Wohnungsbaupyramide zu absorbieren. Die starken (Miet-)Preissteigerungen, als Folge des angespannten Wohnungsmarktes, träfen nicht nur Geringverdiener, sondern auch weite Teile der mittleren Einkommensgruppen. Und dies, so kritisierte Geisel die Situation, schlage bis zu den Unternehmen durch. Um Fachkräfte an den Betrieb und damit wiederum ein Unternehmen an den Standort zu binden, sei ein ausreichendes und bezahlbares Angebot an Wohnraum von entscheidender Bedeutung.
Der Oberbürgermeister forderte daher eine Akzentverschiebung in der Wohnungsbaupolitik, um auf die Herausforderungen einer wachsenden Stadt angemessen reagieren zu können. Er betonte: "Wir müssen unser Augenmerk verstärkt auf die Stadtteile legen". Die Wiederannäherung der Lebensverhältnisse in den einzelnen Bezirken erklärte er zur "Chefsache". Um die notwendige Erhöhung der Wohnbaufertigstellungen zu erreichen, sollen die Bauverfahren vereinfacht und beschleunigt werden. Weitere Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele benannte OB Geisel mit der Förderung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus, der Unterstützung von Wohngruppen sowie der Fortentwicklung des städtischen Handlungskonzeptes Wohnen. "Geförderten und frei finanzierten Wohnungsbau in denselben Wohngebieten zu realisieren, ist dabei unverzichtbar, um zu einer funktionierenden Vielfalt der Bevölkerungsstrukturen in allen Stadtteilen zu gelangen", sagte der Oberbürgermeister weiter.
Kostensenkung steigert Attraktivität für Investoren
Damit sich dies für die Investoren rechnet, sei es wichtig, die Kosten im Wohnungsbau zu senken. Die von OB Geisel vorgestellten Lösungsansätze dafür sehen vor, die Baulandmobilisierung voranzutreiben und auch die Subventionierung städtischer Grundstücke, beziehungsweise die Vergabe von Erbbaurechten zu vergünstigten Zinssätzen in Betracht zu ziehen. Auch der aktuelle Stellplatzschlüssel für die Errichtung von kostenintensiven Parkplätzen müsse überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
Wohnungspolitische Ziele im Dialog erreichen
"Ambitionierte wohnungspolitische Ziele erfordern übergreifende planerische Konzepte, auch im Kontext mit der Region", sagte OB Geisel. Oberstes Prinzip in der Flächenvorsorge bleibe jedoch, einen tragfähigen Kompromiss zwischen den Ansprüchen aller Nutzungsarten, wie Gewerbe-, Industrie- und Büroflächen, zu erzielen, um damit die Ausgewogenheit von Leben und Arbeiten herzustellen.
Als Ziele seiner künftigen Wirtschaftspolitik sieht Düsseldorfs Oberbürgermeister, weiterhin gute Standortbedingungen für die Unternehmen zu garantieren sowie mit Hilfe einer soliden Finanzpolitik die leistungsfähige Infrastruktur und Daseinsvorsorge der Stadt zu sichern. OB Geisel appellierte an seine rund 300 Zuhörer, darunter viele Entwickler und Investoren, ihn bei der Umsetzung seiner Wohnbaukonzepte zu unterstützen. Im Gegenzug versprach er eine kontinuierliche und systematische Kommunikation zu initiieren sowie Planungssicherheit und ein funktionierendes Genehmigungsmanagement in den entsprechenden Ämtern der Stadtverwaltung zu gewährleisten.

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