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Herausforderung angepackt und gemeistert

Aufnahme von Flüchtigen im Jahr 2015

Der 13. September 2015 hat sich in die Erinnerung der Stadt eingebrannt. An dem Tag vor fünf Jahren musste die damalige Akademie der Polizei am Reinhardshof binnen Stunden als Notunterkunft für Flüchtlinge umgebaut und hergerichtet werden.

Wertheim - Zum fünften Jahrestag würdigt Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez die damaligen Geschehnisse als „Sternstunde des Miteinanders in unserer Stadt: Die Wertheimer haben diese humanitäre Herausforderung ebenso mitfühlend wie zupackend gemeistert.“ Was in der damaligen Ausnahmesituation und in der Folgezeit geleistet wurde, nötige großen Respekt ab und sei Ausweis eines ausgeprägten zivilgesellschaftlichen Verantwortungsbewusstseins.
 Nach den Plänen des Landes sollte die Polizeiakademie Wertheim zum 15. Oktober 2015 als Erstaufnahmeeinrichtung in Betrieb gehen. Doch vier Wochen zuvor überschlugen sich die Ereignisse: Tausende von Geflüchteten, die in Ungarn festsaßen, wurden mit Sonderzügen nach Deutschland gebracht und von Bayern aus über den „Königsteiner Schlüssel“ auf die Bundesländer verteilt. Baden-Württemberg schickte am 13. September Busse nach München, um 1.000 Geflüchtete nach Mannheim und Wertheim zu holen. Darüber wurde der damalige Oberbürgermeister um die Mittagszeit vom Regierungspräsidium telefonisch informiert.
Die Hilfskräfte der Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes machten sich an die Umrüstung der Polizeiakademie zur Notunterkunft. Gleichzeitig setzte ein Strom der Hilfsbereitschaft aus der Bürgerschaft ein: Kleider- und Sachspenden wurden gebracht, Dolmetscherdienste angeboten, Getränke- und Essensvorräte geliefert und tatkräftige Mitarbeit organisiert.
Als Glücksfall erwies sich die Gründung des Vereins „Willkommen in Wertheim“ bereits drei Monate zuvor. So konnte auch hier auf bestehende, hilfreiche Strukturen zurückgegriffen werden. Der Verein mobilisierte in kürzester Zeit zahlreiche Helferinnen und Helfer. Mit vereinten Kräften bauten ab dem frühen Nachmittag Hilfsorganisationen und Ehrenamtliche eine improvisierte, aber funktionierende Infrastruktur für Unterbringung, Verpflegung, Erstausstattung und medizinische Versorgung der Geflüchteten auf.
Der erste Bus aus München rollte gegen 18.30 Uhr aufs Gelände der Polizeiakademie, bis Mitternacht waren rund 450 Frauen, Männer und viele Kindern aufgenommen und erstversorgt. Nach weiteren Ankünften am Montag und Dienstag war die Kapazität von damals 600 Notaufnahmeplätzen erschöpft.
 
Der damalige Regierungspräsident Johannes Schmalzl bedankte sich wenige Tage später bei den Wertheimern für das tatkräftige Ehrenamt. „Es war zutiefst beeindruckend, in welcher Geschwindigkeit sich die verschiedenen Organisationen und Ehrenamtlichen vor Ort eingebracht haben“.
Haltung und Zusammenhalt bewiesen die Wertheimer auch eine Woche später, wieder an einem Sonntag, in ihrer Reaktion auf den nächtlichen Brandanschlag auf die Polizeiturnhalle. Dem spontanen Aufruf zur Solidaritätsaktion „Wertheim zeigt Flagge“ am 20. September schlossen sich 1.500 Menschen an und setzten damit ein eindrucksvolles Zeichen gegen Fremdenhass und Ausgrenzung.
 
„Es war auch diese grundsätzliche Offenheit, die mich an Wertheim beeindruckt hat,“ erinnert sich Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez an seine ersten Eindrücke von der Main-Tauber-Stadt. Die jüngere Geschichte der Stadt sei geprägt von Zuwanderung. „Ob die Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg oder die Spätaussiedler nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – Zuwanderung hat sich letztendlich immer als Gewinn für unsere Stadt erwiesen.“ Dies sei im Bewusstsein der Stadt verankert, darauf basiere ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit.
 
„Das hat sich in den Tagen der Erstaufnahme von Flüchtlingen gezeigt. Das zeigt sich bis heute bei der Betreuung von Geflüchteten, “ so OB Herrera Torrez. Denn während die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Mitte 2018 geschlossen wurde, erwuchs die kommunale Anschlussunterbringung zur neuen Aufgabe. Etwa 260 Menschen mit Fluchterfahrung leben heute in Wertheim. Bei ihrer Integration arbeiten Kommune, Wohlfahrtsverbände und Ehrenamtliche Hand in Hand. „Auch hier erweist sich bürgerschaftliches Engagement als starkes Fundament, auf das wir als Gemeinschaft bauen können,“ betont der Oberbürgermeister. Er sei allen in der Flüchtlingsarbeit Engagierten sehr dankbar für „das freundliche Gesicht, das sie Wertheim geben“.


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