17.08.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Hendricks hält Ende kommerzieller Atomkraft für "absehbar"

Hendricks hält Ende kommerzieller Atomkraft für "absehbar"

Umweltministerin: Atomausstieg für Konzerne verkraftbar

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hält das Ende der kommerziellen Nutzung von Atomkraftfür "absehbar".

Berlin - "Es wird eigentlich nirgendwo mehr neu in Kernenergie investiert", sagte Hendricks am Freitag, dem fünften Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima, dem Bayerischen Rundfunk. Deutschland könne die Atomkraftnutzung seiner Nachbarländer zwar rechtlich nicht beeinflussen, doch ein Ausstieg sei auch dort zu erwarten.

Die Rücklagen der Energiekonzerne zur Abwicklung der Atomkraftwerke hält die Umweltministerin für ausreichend. Sie sei "sehr zuversichtlich", dass die Mittel der Konzerne für Rückbau und Endlagerung genügten, auch wenn der Staat "irgendwann" die Verantwortung dafür übernehmen müsse. Denn "in einigen hundert Jahren" gebe es die Energieversorger in der heutigen Form "ganz sicher" nicht mehr, sagte Hendricks.

Industriepräsident Ulrich Grillo appellierte indes an die Bundesregierung, die Kosten für den Atomausstieg "in den Griff" zu bekommen. Es sei nun nicht die Zeit, neue oder verschärfte energiepolitische Ziele zu formulieren, sondern eine "dauerhaft tragfähige Lösung" für alle am Atomausstieg Beteiligten zu finden, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Grillo betonte jedoch, niemand in der Industrie wolle den Ausstieg noch infrage stellen.

Aus Hendricks' Ministerium hieß es außerdem, die Mängel an den umstrittenen belgischen Atomkraftwerken Doel Tihange seien noch größer als bisher geglaubt. Einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen zufolge verfügen beide Kraftwerke noch immer über "kein System zur gefilterten Druckentlastung", wie die "Rheinische Post" am Freitag berichtete.

Ein solcher Filter sollte jedoch gemäß einem 2012 beschlossenen Aktionsplan installiert werden. Die Bundesregierung befinde sich darüber mit Belgiens Aufsichtsbehörden "im Gespräch", hieß es demnach aus dem Umweltministerium. Angesichts einer "steigenden Tendenz zur Laufzeitverlängerung" werde erwartet, dass die Maßnahmen "zügig vollständig umgesetzt" würden.

Zugleich monierten die Umweltorganisation Bodensee-Stiftung und Deutsche Umwelthilfe, auch grenznahe Atomkraftwerke in der Schweiz und Frankreich genügten nicht mehr den Sicherheitsanforderungen. Sie forderten deshalb grenzüberschreitende Sicherheitskontrollen sowie eine Reform der europäischen Atomaufsicht. "Es ist Zeit, der Atomkraft hierzulande sowie in unseren Nachbarländern endlich und endgültig ein Ende zu bereiten", erklärte Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe.

(xity, AFP)


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