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Hans Pleschinski erhält Literaturpreis

Jury würdigte seinen Roman "Königsallee"

Der Schriftsteller Hans Pleschinski hat den mit 10 000 Euro dotierten Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld 2014 für seinen Roman "Königsallee" erhalten.

Krefeld - Im Historischen Ratssaal übergab Oberbürgermeister Gregor Kathstede in einer Feierstunde die Urkunde an den 57-jährigen Autor, der die Auszeichnung mit "vielem und tief empfundenem Dank“ entgegennahm. In "Königsallee“ schildert Pleschinski ein fiktives Treffen des fast 80-jährigen Thomas Mann mit Klaus Heuser, einer seiner großen Lieben, im Düsseldorf der 1950er-Jahre. Der Niederrheinische Literaturpreis wird alle zwei Jahre an Autoren verliehen, zwischen denen und der Stadt Krefeld oder dem Niederrhein eine Beziehung besteht, die aus der Tätigkeit, dem Wohnsitz oder der thematischen Bindung resultiert. Das Preisgeld hat die Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld gestiftet.

Mit einer launigen Rede bedankte sich Pleschinski, der über die Preisvergabe an ihn doch sehr überrascht war. Die Samt- und Seidenstadt sei für ihn bis dahin ein blinder Fleck gewesen, schließlich befinde sich auch kein Von-der-Leyen in seiner Familie, so der gebürtige Niedersachse. Bei seiner Recherche im eigenen Werk entdeckte er zu seinem Erstaunen aber immer wieder Verknüpfungspunkte mit Krefeld und dem Niederrhein. So übersetzte Pleschinski den Briefwechsel zwischen Voltaire und Friederich dem Großen (1992). Von einer Reise im Jahr 1750 schrieb der Dichter dem Monarchen aus Kleve über die üblen Wege und die ständigen Radbrüche der Kutschen gerade am Niederrhein.

Der 57-Jährige wusste zudem von der besonderen Wertschätzung des preußischen Königs über die Seidenweber in Krefeld zu berichten. "Ahnten Sie, dass die Madame de Pompadour schlaflose Nächte bereitet haben“, fragte Pleschinski. Auch in ihren Briefen (Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben. Madame de Pompadour. Briefe. 1999) spürte er die Stadt am Niederrhein auf: Die Franzosen verloren dort 1758 eine Schlacht des Siebenjährigen Krieges. Darüber war Madame de Pompadour alles andere als erfreut und forderte "Rache“ für die Schmach bei Krefeld. Weitere Bezüge fanden sich in "Ludwigshöhe“ (2008) mit einer "asketischen Latte“ einem Novizen aus Krefeld sowie in einer Erzählung in "Verbot der Nüchternheit“ (2007). Dort entdeckt der Erzähler am Strand von Korfu plötzlich Katrin: "Ich dachte, sie sei in Krefeld.“

In ihrer Laudatio würdige Jury-Mitglied Waltraud Fröchte die sprachliche Grazie, den Humor und die feinsinnige Ironie in "Königsallee“. In seinem Roman zeichne Pleschinski unter anderem ein Bild des Neuanfangs nach dem Zweiten Weltkrieg. Treffsicher beschreibe er die Zeit in der Nachkriegsrepublik in Düsseldorf und am Niederrhein. "Uns Lesern haben sie ein wunderbares Buch geschenkt“, so Fröchte. Oberbürgermeister Gregor Kathstede dankte der Jury, insbesondere dem Literaturkritiker und Jury-Vorsitzender Jens Dirksen, für ihre Arbeit sowie der Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld. Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von einem Saxophon-Quartett der Musikschule Krefeld.

Hans Pleschinski lebt seit 1976 in München. Dort studierte er von 1976 bis 1983 Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaften. Seit 1984 ist er Mitarbeiter beim Hörfunk des Bayerischen Rundfunks. Sein erstes Buch "Gabi Lenz. Werden & Wollen“ wurde 1984 veröffentlicht. Pleschinski erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen unter anderem den Hannelore-Greve-Literaturpreis (2006) und den Nicolas-Born-Preis (2008). Er wurde 2012 zum Chevalier des Arts et des Lèttres der Republik Frankreich ernannt. Im Mai 2014 hat er den mit 10 000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadt München für sein Gesamtwerk erhalten.

Der Niederrheinische Literaturpreis der Stadt Krefeld wird seit 1992 vergeben. Die bisherigen Preisträger sind: 1992 Andreas Mand, 1993 Hubert Schirneck, 1994 Herbert Genzmer, 1995 Professor Dr. Werner Ross, 1996 Herbert Sleegers, 1997 Robert Steegers, 1998 Gisbert Haefs, 1999 Christoph Peters, 2000 Elke Schmitter, 2001 Ulrich Peltzer, 2002 Dieter Wellershoff, 2003 Anja Lundholm, Reinhard Kaiser, 2004 Burkhard Spinnen, 2005 Dieter Forte, 2006 Paul Ingendaay, 2007 Norbert Hummelt, 2008 Martin Heckmanns, 2009 Markus Orths, 2010 Dr. Reinhard Feinendegen und Dr. Hans Vogt, 2011 Sascha Reh und 2012 Hans Neuenfels.

Der Jury des Niederrheinischen Literaturpreises gehören aktuell an: Literaturkritiker und Jury-Vorsitzender Jens Dirksen, Schriftsteller Peter Klusen, Verlegerin Dr. Renate Birkenhauer, Literaturwissenschaftlerin Waltraud Fröchte und Kulturdezernent Gregor Micus.


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