Hamburger Graffiti-Aktivist "Oz" von S-Bahn getötet

64-Jähriger jahrzehntelang in der Hansestadt aktiv

Der Hamburger Graffiti-Aktivist "Oz" ist von einer S-Bahn erfasst und getötet worden.

Hamburg - Die Leiche des Mannes sei am Donnerstagabend zwischen den Haltestellen Hauptbahnhof und Berliner Tor entdeckt worden, teilten Polizei und Bundespolizei in der Hansestadt mit. Der 64-Jährige war jahrzehntelang aktiv und wurde wegen Sachbeschädigung mehrfach auch zu Haftstrafen verurteilt. Ihm waren in der Hansestadt und in Berlin in den vergangenen Jahren auch Ausstellungen gewidmet.

Nach Ermittlungen der Bundespolizei starb der unter dem Pseudonym "Oz" auftretende Mann offenbar beim Sprühen. Neben der Leiche sei eine Spraydose sowie ein frischer Namens-Schriftzug "Oz" auf der Abdeckung einer Stromschiene gefunden worden, sagte ein Sprecher. "Oz" war demnach gegen 22.30 Uhr von einer vorbeifahrenden S-Bahn am Kopf getroffen worden, ohne dass der Lokführer dies bemerkte. Erst nachfolgende Triebwagenführer bemerkten die leblose Person am Gleis.

"Oz" soll für unzählige Graffiti verantwortlich sein. Sein Markenzeichen waren einfache grafische Symbole wie sein berühmtes "Oz"-Kürzel, Smileys oder Kringel, die er auf Hauswänden, Verteilerkästen oder Verkehrsschildern hinterließ. In Medienberichten ist immer wieder von bis zu 120.000 "Oz"-Graffitis die Rede. Diese Zahl ist aber umstritten. Viele Fälle gehen zudem möglicherweise auf Nachahmer zurück.

Der aus Süddeutschland stammende "Oz" war kein typischer Sprayer. Aufgrund seines Alters und seiner speziellen Motivation hatte er praktisch keinen Kontakt zur Szene meist junger Graffiti-Künstler. Seine Sympathisanten stammten eher aus linksalternativen Kreisen. Öffentlich trat er fast ausschließlich bei den gegen ihn geführten Prozesse in Erscheinung, so zuletzt im Jahr 2013. Er selbst bezeichnete sich damals in einem Interview als "Kämpfer gegen die Normen der deutschen Sauberkeit und Kommerzgier".

(xity, AFP)