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Haftstafen wegen Überfalls auf syrisch-stämmige Familie

Gericht spricht von menschenverachtender Gesinnung

Fast zwei Jahre nach dem brutalen Überfall auf eine syrisch-stämmige Familie in Eisleben in Sachsen-Anhalt hat das Landgericht Halle drei Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Fast zwei Jahre nach dem brutalen Überfall auf eine syrisch-stämmige Familie in Eisleben in Sachsen-Anhalt hat das Landgericht Halle drei Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Zwei Angeklagte im Alter von 25 und 33 Jahren erhielten nach Angaben eines Gerichtssprechers Haftstrafen von drei beziehungsweise vier Jahren. Gegen einen 20-jährigen Angeklagten wurde eine Jugendstrafe von zwei Jahren verhängt, die mehrere Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die syrisch-stämmige Familie war im April 2012 auf dem Volksfest "Eisleber Wiese" laut Anklage plötzlich angegriffen und unter anderem mit einem Schlagring und einem Schlagstock attackiert worden. Der damals 18-jährige Angeklagte habe einem der Opfer mehrfach ins Gesicht und an andere Stellen geschlagen und dabei lautstark ausländerfeindliche Parolen gerufen. Der Mann erlitt unter anderem mehrere Brüche im Gesicht.

Ein Mitangeklagter soll zudem eine Frau so lange geschlagen haben, bis sie bewusstlos am Boden lag. Weitere Angehörige der Familie wurden ebenfalls verletzt. Das Gericht sprach in seiner Urteilsverkündung von einer menschenverachtenden Gesinnung. Die Richter sahen es dem Sprecher zufolge als erwiesen an, dass die Angeklagten bei dem Überfall ausländerfeindliche Parolen skandierten.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Im Vorfeld des Prozesses hatten die Betroffenen und ihre Anwälte die Arbeit der Ermittlungsbehörden kritisiert und unter anderem bemängelt, dass nicht weiter wegen versuchten Totschlags ermittelt wurde. Die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt in Halle warf der Staatsanwaltschaft eine Verharmlosung der Tat vor.

Die betroffene Familie, die schon seit längerem die deutsche Staatsbürgerschaft besaß, hatte Eisleben nach der Tat verlassen. Nach Angaben der Opferberatungsstelle leiden die Opfer bis heute zum Teil unter den psychischen und körperlichen Folgen der Tat.

© 2014 AFP


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