19.04.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> "Häkelkosmos" im Deutschen Textilmuseum

"Häkelkosmos" im Deutschen Textilmuseum

Krefelderinnen häkeln ihr Riff für die Ausstellung

Im Deutschen Textilmuseum in Krefeld herrscht eine freudige Anspannung: Über 30 Frauen zwischen 52 und 94 Jahren haben sich dort zusammengefunden, um ihr Projekt vorzustellen – ihr Krefelder Riff.

Krefeld - In den vergangenen Wochen häkelten sie Korallen, Fische und andere Meeresbewohner. "Als Inspiration diente das Föhr Riff, das prominenteste Objekt unserer neuen Ausstellung Häkelkosmos – Vom Korallenriff zum schwarzen Loch“, erklärt Museumsleiterin Dr. Annette Schieck. Im gehäkelten "Föhr Riff“ vereinen sich die Mathematik hyperbolischer Räume, ein ökologisches Statement gegen die Verschmutzung der Meere und die Zerstörung der Riffe sowie die uralte Kulturtechnik des Häkelns zu einem kollektiven Kunstprojekt. "Eine Idee ist es hierbei, Menschen zusammenzubringen“, sagt Schieck. Nach einem Zeitungsaufruf hatte sich die Gruppe gebildet. Ihr Kunstprojekt "Krefelder Riff“ wird ab dem 22. Juni nun ein Exponat des "Häkelkosmos’“.

"Die Dynamik der Gruppe hat mir sehr gefallen. Da herrschte von Beginn eine enorme Energie und Begeisterung, die einen umhaut“, freut sich die Museumsleiterin mit der Projektbetreuerin Gerda Stevens. "Das ist schon Wahnsinn“, so Stevens. Im Linner Seniorentreff "En Cavenn“, gleich neben dem Textilmuseum, haben die Frauen Woche für Woche an den Objekten für das Krefelder Riff gearbeitet. Auch Zuhause ließen die meisten nicht ab von Nadel und Faden. Die jüngste in dem Kreis ist Carmen Ohlig. Die 52-jährige DRK-Schwester fand über ihre Etagennachbarin zu der Projektgruppe. "Das hyperbolische Häkeln hat mich fasziniert. Die mathematische Berechnung, die dahinter steckt, das war für mich ganz einfach“, berichtet Ohlig. Sie hat gleich begonnen und Korallen angefertigt. Von ihrer Großmutter und Mutter habe sie das Häkeln und Stricken erlernt. "Jahrelang habe ich aber nicht gehäkelt“, so Ohlig. Das Arbeiten in der Gruppe sei sehr entspannend gewesen. "Es ist nur Spaß an der Sache“, sagt sie. Und ein wenig stolz sei sie auch, dass nun ihre Korallen Teil des Krefelder Riffs und der Ausstellung sind.

Mit ihrer Nachbarin Monika Döhrmann kam auch Gerda Schürmanns zu der Projektgruppe. Die 94-Jährige hat früher schon gehäkelt und gestrickt. "Das verlernt man nicht“, so Schürmanns. "Wir haben uns das hier angeguckt und sind dabei geblieben“, erzählt Döhrmann. Sie habe ohne Vorlage sofort ganz frei begonnen. "Mein Schwertfisch hat als Säge einen alten Schlüssel bekommen“, sagt sie und deutet fröhlich auf ihren Häkelfisch. Der Wunsch von Dr. Annette Schieck, auch einen Hummer im "Krefelder Riff“ zu sehen, ist Monika May nicht mehr aus ihrem Kopf gegangen. Nach Quallen und einer Muräne wagte sie sich an Meeresbewohner mit Scheren. "Ich habe mit dem Körper angefangen, dann folgten die Schildplatten, Beine und Scheren“, so May. "Es dauerte 16 Stunden, aber es hat mir unendlich viel Spaß gemacht, genauso wie die Arbeit in der Gruppe“, sagt sie mit einem Hauch des Bedauerns, dass es nun vorbei ist. Neben dem Spaß sei ihr auch der ökologische Aspekt des Projektes sehr wichtig gewesen, betont May.

Im Gegensatz zu dem großen "Föhr Riff“ tauchen im "Krefelder Riff“ auch Tiere auf. "Das ist der Kreativität geschuldet“, so Schieck. So verspielt das "Föhr Riff“ wirkt, hatte die Anfertigung einen ernsten Hintergrund. "Es ist ein Mahnmal“, betonte Gabriela von Hollen-Heindorff vom Museum Kunst der Westküste während des Aufbaus. Denn das gehäkelte Korallenriff erinnert auch an die bedrohte Schönheit maritimer Ökosysteme. Natürliche Korallenriffe stellen einzigartige Biosphären dar, in denen unzählige andere Tier- und Pflanzenarten leben. Durch Verschmutzung des Meerwassers, Überfischung und Klimaerwärmung ist heute bereits über ein Fünftel aller Korallenriffe weltweit verschwunden. Dieser erste Aspekt sollte nicht durch Tiere a la "Nemo“, einer Figur aus einem Kinderzeichentrickfilm, in irgendeiner Form verniedlicht und damit verharmlost werden.

Erstmals in der Geschichte des Deutschen Textilmuseums Krefeld wird auch die Fassade des Gebäudes am Andreasmarkt als Ausstellungsfläche genutzt. Die Künstlerin Katharina Krenkel aus Püttlingen im Saarland hat aus Video- und Absperrbändern Schmarotzerpflanzen und Pilze gehäkelt, die für die Dauer der kommenden Ausstellung das Haus schmücken werden. Die Anbringung der Objekte hat die Historische Feuerwehr Linn möglich gemacht, die das Kunstspektakel für eine Feuerwehrübung nutzte.

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld wird vom 22. Juni bis 14. Dezember die Sonderausstellung "Häkelkosmos – Vom Korallenriff zum schwarzen Loch“ zeigen. Das größte Ausstellungsobjekt wird das "Föhr Riff“ sein. Es stammt aus einem Projekt des Museums Kunst der Westküste auf der Nordseeinsel Föhr. Daran haben sich über 700 Mitwirkende aus Deutschland und Europa beteiligt, die über 5000 einzelne Elmente angefertigt haben. Weitere Informationen stehen unter www.mkdw.de (dort ist auch ein Film über das "Föhr Riff“ zu sehen) und www.crochetcoralreef.org sowie unter www.krefeld.de/textilmuseum.


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