14.12.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Hacker-Angriff auf den Bundestag sorgt weiter für Wirbel

Hacker-Angriff auf den Bundestag sorgt weiter für Wirbel

Parlament braucht wohl komplett neues IT-Netz

Der Hacker-Angriff auf das IT-System des Bundestags ist Berichten zufolge viel schwerwiegender als gedacht und dauert an.

Berlin - Der seit Wochen andauernde massive Hacker-Angriff auf das Computer-Netzwerk des Bundestages sorgt weiterhin für Verunsicherung. Einem Medienbericht zufolge kamen Experten zu der Auffassung, dass dieses komplett neu aufgebaut werden müsse. Dem widersprach allerdings der CDU-Experte Thomas Jarzombek. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) äußerte sich auf Nachfrage nicht zu dem Fall.

Der Rechercheverbund aus "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR hatte berichtet, dass das BSI der Bundestagsverwaltung empfohlen habe, das durch die Attacke kompromittierte Netz aufzugeben und ein neues System zu installieren. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass noch immer unbemerkt Daten abfließen, hieß es unter Berufung auf beteiligte Spezialisten.

Dem Bericht zufolge haben der oder die Hacker Zugriff auf zentrale Verzeichnisse sowie Zugangsdaten. Die Geheimschutzstelle, der NSA-Untersuchungsausschuss und die Personalverwaltung des Bundestages seien offenbar nicht betroffen, da sie besonders gesichert seien.

Auch "Spiegel Online" berichtet, in Parlamentskreisen werde von einem drohenden "Totalschaden" gesprochen. Womöglich müsse nicht nur Software erneuert, sondern auch die komplette Hardware ausgetauscht werden. Dies würde Monate dauern und Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe verursachen. "Die Trojaner sind noch immer aktiv", hieß es demnach aus dem Bundestag.

Jarzombek wies die Darstellung allerdings zurück. "Von einem Totalschaden kann keine Rede sein", sagte er der Nachrichtenplattform "Zeit Online" unter Verweis auf Informationen aus dem für IT-Fragen zuständigen internen Gremium des Bundestags.

Dieses war am Donnerstag vom BSI über den Stand der Dinge unterrichtet worden. Demnach seien lediglich 15 Rechner angegriffen worden, die Experten hätten eine weitere Ausbreitung gestoppt, sagte Jarzombek. "Eine übersichtliche Zahl von Servern muss neu installiert werden, die Hardware ist nicht betroffen." Die Meldungen über fortgesetzte Datenabflüsse nannte er "Unsinn". Laut BSI seien die seit zwei Wochen beendet.

Seit Mitte Mai ist bekannt, dass der Bundestag Ziel eines groß angelegten, fortgesetzten Cyber-Angriffs ist. Schon zuvor hatte es Meldungen darüber gegeben, dass womöglich das komplette IT-Netz des Parlaments erneuert werden müsse. Darin war auch die Rede davon, dass die Sommerpause des Parlaments wegen der Abwehr der Bedrohung vorverlegt werden könnte. Das aber hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) dementiert.

Der Fall sorgt seit Wochen für große Unruhe unter den Abgeordneten. Es gibt Kritik an der internen Informationspolitik der Bundestagsverwaltung hinsichtlich Ausmaß und Folgen der Attacke. Für Streit im Parlament sorgt auch die Frage, ob Spionageexperten des Verfassungsschutzes in die Abwehr der aktuellen Bedrohung eingebunden werden.

Die Urheber der hochprofessionellen Attacke sind unbekannt. Medienberichten nach soll es Indizien dafür geben, dass ein Nachrichtendienst aus Osteuropa dahintersteckt, etwas der russische Auslandsnachrichtendienst SWR. Offizielle Aussagen dazu gibt es jedoch nicht.

Vertreter der SPD forderten den Aufbau einer eigenen Spionageabwehr des Bundestags. "Langfristig muss der Bundestag dringend eigene Kompetenzen aufbauen, um seine Computersysteme vor Spionage zu schützen", sagte der SPD-Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss, Christian Flisek, dem Magazin "Focus".

(xity, AFP)


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