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Gysi-Rückzug: SPD sieht schlechtere Chancen für Bündnis

Grüne kritisieren mangelnden Regierungswillen bei Linken

Nach der Rückzugsankündigung von Linksfraktionschef Gregor Gysi sieht der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner die Chancen für ein Linksbündnis schwinden.

Berlin - "Die Linkspartei wird es ohne ihn sehr schwer haben, sich auf der Bundesebene von der Fundamentalopposition hin zu einem potentiellen Koalitionspartner zu entwickeln", sagte Stegner der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Gysi sei "sicher einer der klügsten Kollegen aus Konkurrenzparteien", fügte Stegner hinzu.

Der 67-jährige Gysi hatte am Sonntag bei einem Linken-Parteitag in Bielefeld angekündigt, dass er im Herbst nicht mehr für den Fraktionsvorsitz kandidiere. Die Zeit sei gekommen, das Amt "in jüngere Hände zu legen", sagte Gysi vor den Delegierten. Über die Nachfolge will die Fraktion am 13. Oktober entscheiden.

Gysi betonte, dass er schon im Mai 2013 entschieden habe, die Fraktion nur noch bis zum Herbst 2015 zu führen. Dies habe er den Spitzen von Partei und Fraktion damals auch mitgeteilt.

Gysi hielt eine sehr persönliche Rückschau auf seinen Werdegang vom ehemaligen PDS-Vorsitzenden bis zum Chef der Linksfraktion im Bundestag. Er verwies darauf, dass die Linke in jüngster Zeit an Akzeptanz gewonnen habe. "Ich glaube, dass man gerade in einer solchen Phase Verantwortung abgeben sollte." Mit brüchiger Stimme und anscheinend den Tränen nahe berichtete Gysi, was seine Tätigkeit an der Spitze der Partei für ihn ganz persönlich bedeutete: "Ich hatte viel zu wenig Zeit für meine Angehörigen." Er dankte seinen Mitarbeitern und Familienmitgliedern, bevor er sich vor den Delegierten verbeugte.

Gysi nutzte seinen viel beachteten Auftritt aber auch, um seiner Partei Ratschläge für die Zukunft mit auf den Weg zu geben. Die Linke müsse sich stärker einem rot-rot-grünen Bündnis öffnen, lautete seine Botschaft. "Wenn es jemals zu Verhandlungen kommt, werden sie schwer, aber wir haben alle nicht das Recht, uns vor Schwierigkeiten zu drücken."

Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter erklärten am Sonntag in Berlin, Gysi habe versucht, die Widersprüche der Partei aufzulösen. "Dennoch hat die Linke bis heute nicht geklärt, welchen Kurs sie einschlagen will: Bleibt sie bei der Daueropposition oder will sie regierungsfähig im Bund werden?", kritisierten Göring-Eckardt und Hofreiter. Die Signale auf dem Parteitag der Linken machten "jedenfalls bislang keinen Aufbruch deutlich". "Zur Demokratie gehört auch Verantwortung und Gestaltungsanspruch", mahnte die Fraktionsführung der Grünen.

(xity, AFP)


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