10.12.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Große Wissenslücken im Umgang mit Antibiotika

Große Wissenslücken im Umgang mit Antibiotika

Umfrage der Berliner Charité

Beim Umgang mit Antibiotika gibt es in der deutschen Bevölkerung große Wissenslücken.

Berlin - Das bestätigt eine von der Berliner Charité veröffentlichte Umfrage von TNS Emnid. 70 Prozent der Befragten gaben zwar an, dass ihnen das Problem von Antibiotikaresistenzen wichtig oder sehr wichtig ist. Nur jeder vierte der rund 1000 Befragten wusste aber, dass ausschließlich Bakterien so widerstandsfähig gegen Antibiotika werden können, dass die Medikamente gegen sie nichts mehr ausrichten können.

"Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema in der Bevölkerung angekommen ist, es aber gleichzeitig noch sehr große Wissenslücken gibt", erklärte die Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité, Petra Gastmeier. Vielen Menschen fehle das grundsätzliche Wissen über die Resistenzentwicklung von Bakterien. So meinen laut Umfrage 58 Prozent, dass ihr eigenes Verhalten im Umgang mit Antibiotika keinerlei Einfluss auf die Entwicklung von Resistenzen habe. Das aber ist falsch: Werden die Medikamente nicht genau so eingenommen, wie vom Arzt verordnet, fördert dies die Bildung von resistenten Bakterien. Das gilt auch für die Entsorgung der Antibiotikareste über den Hausmüll oder die Toilette.

Mit dem Modellprojekt RAI, in dessen Rahmen die Umfrage lief, soll die Information und Aufklärung über den Antibiotikaeinsatz verbessert werden. Die Informationen sollen dabei verstärkt auf einzelne Zielgruppen zugeschnitten werden, zum Beispiel Haus- und Tierärzte, Landwirte, Fernreisende und die Allgemeinbevölkerung. "Eines der größten Versäumnisse in der Vergangenheit war, dass man die Initiativen immer nur auf eine bestimmte Gruppierung beschränkt hat", erklärte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). Das Projekt wird zunächst in Berlin, Brandenburg und Thüringen erprobt und kann später ausgeweitet werden.

Gegen viele Keime kann die vermeintliche "Wunderwaffe" Antibiotika nichts mehr ausrichten. Antibiotika-Resistenzen sind ein zunehmendes Problem vor allem in Krankenhäusern. Sie führen dazu, dass bakterielle Infektionen schwerer oder auch gar nicht mehr zu behandeln sind, weil Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren. Die Folge sind längere und deutlich schwerere Krankheitsverläufe und auch Todesfälle. Tausende Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr infolge sogenannter Krankenhausinfektionen. Gefährlich sind multiresistente Keime vor allem für immungeschwächte Patienten auf Intensivstationen, Krebskranke, Chirurgie-Patienten und frühgeborene Babys.

Die Antibiotika-Resistenzen sind auch beim bevorstehenden G-7-Treffen in Bayern ein Thema. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erwartet von dem Treffen klare Entscheidungen im weltweiten Kampf gegen das Problem. "Der weltweite Anstieg von Antibiotika-Resistenzen hat ein ähnlich verheerendes Potenzial wie der Klimawandel", sagte Gröhe der "Rheinischen Post" vom Mittwoch. Wenn nicht schnell und klug gegengesteuert werde, wäre dies eine Katastrophe weltweiten Ausmaßes. "Das wäre der Rückfall in das Vor-Penicillin-Zeitalter", sagte Gröhe.

Eine Studie der Berliner Charité im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hatte jüngst vor einem drastischen Anstieg der Todesfälle durch multiresistente Keime gewarnt. Wenn nicht entschieden gegen die Resistenzbildung vorgegangen werde, könnten bis 2050 weltweit zehn Millionen Menschen an Infektionen durch multiresistente Erreger sterben, heißt es in dem Papier.

(xity, AFP)


Copyright 2019 © Xity Online GmbH