18.10.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Gröhe gibt Startschuss für Neuordnung in der Pflegeversicherung

Gröhe gibt Startschuss für Neuordnung in der Pflegeversicherung

Modellprojekte zur Einbeziehung Demenzkranker beginnen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat den Startschuss zu einer grundlegenden Reform in der Pflegeversicherung gegeben.

Berlin - Der CDU-Politiker gab den gesetzlichen Krankenkassen am Dienstag grünes Licht für zwei Modellprojekte, mit denen psychische Erkrankungen wie Demenz künftig bei der Einstufung der Pflegebedürftigkeit stärker berücksichtigt werden sollen. Mit der Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs solle sichergestellt werden, dass die Verbesserungen auch tatsächlich bei den Pflegebedürftigen ankommen.

Der GKV-Spitzenverband will mit den beiden gestarteten Modellprojekten das neue Begutachtungsverfahren zur Pflegebedürftigkeit erproben. Vorgesehen ist, dass es statt den bisher drei Pflegestufen künftig fünf Pflegestufen geben wird. "Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs muss solide und verantwortungsvoll erprobt werden", erklärte GKV-Verbandschefin Doris Pfeiffer. Zunächst soll das Personal geschult werden, bevor mit der Begutachtung nach den fünf Pflegestufen begonnen wird. Die Erprobungsphase soll die Möglichkeit schaffen, die Definition der neuen Pflegestufen bei Bedarf zu korrigieren.

In die beiden Modellprojekte sind jeweils 2000 Pflegebedürftige einbezogen. Das erste soll die Praktikabilität des Begutachtungsverfahrens untersuchen, das zweite den Versorgungsaufwand unter die Lupe nehmen. Bis der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff flächendeckend greift, dürfte es noch einige Jahre dauern.

Die Opposition warf der Bundesregierung denn auch vor, nicht zügig genug zu handeln. "Pflegebedürftige und insbesondere an Demenz Erkrankte sowie ihre Angehörigen warten schon viel zu lange auf spürbare Verbesserungen", erklärte die Pflegeexpertin der Linken, Pia Zimmermann. Die Grünen-Abgeordnete Elisabeth Scharfenberg warf Gröhe vor, auf Zeit zu spielen. Gröhe rechne nicht vor 2017 mit der Einführung. "Diese Verschleppungstaktik darf nicht dazu führen, dass der neue Pflegebegriff endgültig ad acta gelegt wird."

Gröhe will unabhängig von der Reform bei den Pflegestufen Anfang kommenden Jahres Leistungsverbesserungen in der Pflegeversicherung einführen. Dazu gehören die bezahlte zehntägige Familienpflegezeit. Außerdem soll es künftig leichter möglich sein, Senioren in Kurzzeit-, Tages- oder Nachtpflege betreuen zu lassen oder pflegende Angehörige durch ambulante Dienste zu entlasten. Steigen sollen auch die Zuschüsse für barrierefreies Wohnen. Finanziert wird dies durch höhere Beiträge zur Pflegeversicherung. Sie sollen in den kommenden Jahren um insgesamt 0,5 Prozentpunkte steigen.

(xity, AFP)


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