Greenpeace: Atommülltransport von Jülich in USA illegal

Castoren sollen in Deutschland bleiben

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält den geplanten Transport von Atommüll aus dem Versuchsreaktor Jülich in die USA für rechtswidrig.

Berlin - Die Umweltorganisation legte in Berlin ein Rechtsgutachten vor, das dem Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen nach Greenpeace-Angaben Pflichtverletzungen vorwirft.

Eine Verschickung der 152 Castor-Behälter vom Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich (FZJ) in die Atomfabrik Savannah River Site im US-Bundesstaat South Carolina würde demnach gegen das Verbot verstoßen, Atommüll aus kommerzieller Nutzung zur Wiederaufarbeitung ins Ausland zu bringen.

In den Jülicher Castor-Behältern lagern Brennelementekugeln des 1988 abgeschalteten Versuchsreaktors AVR. Das NRW-Wirtschaftsministerium als atomrechtliche Aufsichtsbehörde hatte Anfang Juli die Räumung des Zwischenlagers angeordnet. Zur Begründung verwies das Ministerium auf eine Mitteilung des Bundesamts für Strahlenschutz, wonach Untersuchungen zur Erdbebensicherheit nicht abgeschlossen und Prognosen zum Abschluss des laufenden Genehmigungsverfahrens nicht möglich seien.

Das Forschungszentrum sowie Bund und Land NRW als dessen Gesellschafter prüfen derzeit mit dem US-Energieministerium, ob die Brennelemente aus dem Versuchsreaktor in die USA als Herkunftsland des Kernbrennstoffs zurücktransportiert werden sollen. Im April wurde eine gemeinsame Absichtserklärung zur Rücknahme der Brennelemente durch die USA unterzeichnet. Rechtlich wären solche Atommüll-Exporte nur zulässig, wenn es sich um Abfälle aus Forschungsreaktoren handelt.

Der AVR-Hochtemperaturreaktor sei aber "zur Stromproduktion betrieben worden", unterstrich Greenpeace bei der Vorstellung des Rechtsgutachtens. Es habe sich daher im Gegensatz zur Auffassung deutscher Stellen nicht um einen Forschungsreaktor gehandelt, dessen verwertbare Reststoffe an das Herkunftsland zurückgegeben werden können.

"Die Castoren müssen in Deutschland bleiben", forderte der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. "Land und Bund haben ihre Verantwortung für den Atomstandort Jülich fahrlässig verschleppt. Das Bundesumweltministerium muss jetzt Verantwortung übernehmen und die Spekulationen über einen Export beenden." Laut Greenpeace würde ein Transport der Brennelementkugeln rund eine Milliarde US-Dollar kosten. "Der illegale Transport würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen und die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll unterwandern", erklärte Greenpeace.

Das Thema könnte am Montag auch die Atommüllkommission beschäftigen, an der Sitzung in Berlin soll Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) teilnehmen und über die Forschungsplanung ihres Hauses berichten. Die Kommission soll Lösungen für die höchst umstrittene Endlager-Frage entwickeln.

(xity, AFP)