Graumann fordert Vorgehen gegen Judenhass im Internet

Tausende zu Kundgebung in Berlin erwartet

Vor der Großkundgebung gegen Antisemitismus in Berlin hat der Präsident des Zentralratsrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, ein härteres Vorgehen der Polizei gegen "Hass und Häme" im Internet verlangt.

Berlin - Viele, die im Internet Stimmung gegen Juden machten, schrieben unter ihrem richtigen Namen und wären deshalb gar nicht so schwer zu belangen, sagte Graumann der "Passauer Neuen Presse". Die Ermittler müssten hier "konsequenter eingreifen". Auch bei den Anti-Israel-Demonstrationen im Sommer sei die Polizei oft viel zu zurückhaltend aufgetreten, "als offen antisemitische Parolen gebrüllt wurden".

Graumann rief auch die muslimischen Verbände auf, "noch aktiver gegen Antisemitismus in ihren eigenen Reihen" vorzugehen. "Auch wenn es weh tut, darüber zu sprechen: Die meisten, die zuletzt die hetzerischen Parolen bei den Demonstrationen riefen, waren muslimische Fanatiker", sagte er der Zeitung. Er warnte zugleich vor Pauschalurteilen - "die meisten Muslime denken gewiss anders".

Auf Einladung des Zentralrats der Juden wollen am Sonntag tausende Teilnehmer auf einer Großkundgebung am Brandenburger Tor ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Auf der Veranstaltung unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen. Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland hat zur Teilnahme aufgerufen. Wer Islamfeindlichkeit bekämpfen wolle, müsse sich auch gegen jeglichen Antisemitismus wenden, erklärte deren Vorsitzender Safter Cinar in Berlin.

(xity, AFP)