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Grabungsabend im Archäologischen Museum

Archäologen berichten von Projekten

Das Archäologische Museum Krefeld hat beim traditionellen Grabungsabend der Museumsfreunde in Linn aufgearbeitete Artefakte aus vergangenen Grabungskampagnen präsentiert.

Krefeld - Die Besucher nutzten vor und nach den Vorträgen der Archäologen die Möglichkeit, der Restauratorin Eileen Wolff Fragen über die Exponate zu stellen. Aktuelle Funde konnte Museumsleiter Dr. Christoph Reichmann diesmal nicht vorstellen, dafür aber einen neuen Mitarbeiter: Der Archäologe Dr. Hans-Peter Schletter ist neuer Grabungsleiter am Archäologischen Museum. Er berichtete in der mit über 120 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllten Museumsscheune über seine Ausgrabung der alten Pfarrkirche St. Stephanus in Lank-Latum.

Im Mittelalter gehörten Gellep und Stratum noch zum Kirchspiel Lank. Die Menschen des heutigen Krefelder Stadtteils gingen dort zur Messe und wurden auf dem Friedhof beerdigt. Über die Entstehungszeit der Kirche war vor den Ausgrabungen nur wenig bekannt. Vermutlich existierte schon ein Kirchenbau in der Nähe eines Fronhofes im sogenannten Gellper Gau in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts. Eine erste urkundliche Erwähnung geht ins zwölfte Jahrhundert zurück: 1176 werden ein Gefhardus (Gerhard) als Priester von Lank, im Jahr 1190 die Pfarrei Lank und 1202 der Fronhof als Kaiserswerther Besitz genannt. Die schriftlichen Quellen und der noch heute existierende romanische Turm bilden somit die ältesten Nachweise. Das alte Kirchenschiff wurde in den 1840er-Jahren abgerissen, ein neues an anderer Stelle an den romanischen Turm gesetzt. In den vergangenen Jahren fanden in Lank-Latum nun mehrere Ausgrabungen statt, um den alten Bau zu dokumentieren. Dabei fand Schletter heraus, dass innerhalb der dreischiffigen, romanischen Basilika tatsächlich noch ein Vorgängerbau zwischen 800 und 1000 existierte. Diese Saalkirche besaß mit einer Länge von rund acht Metern und einer Breite von vier Metern eine für diese Zeit ungewöhnliche Größe.

Die Archäologin Dr. Margareta Siepen sprach im Abschluss über den "Gelleper Hafen". In den 1970er-Jahren wurden die Reste des römisch-fränkische Hafens bei der Erweiterung des heutigen Hafens freigelegt. Eine wissenschaftliche Untersuchung seitens des Museums war damals kaum möglich. Während der Bauarbeiten haben immer wieder zahlreiche Menschen dort vor allem Metallfunde gesammelt. In den vergangenen drei Jahren hat Siepen im Rahmen eines europäischen Hafenprojektes Tausende Funde sogenannter ?Sammler? aus dem römisch-fränkischen Hafen dokumentiert. Diese haben ihr die Artefakte nach mehreren Medienaufrufen freiwillig zur Verfügung gestellt. Der für Archäologen so wichtige Fundzusammenhang ging durch die Umstände in den 1970er-Jahren aber leider verloren. Deswegen können die Artefakte heute nur noch als Einzelfunde erfasst werden. Dennoch konnte Siepen einige Rückschlüsse ziehen: ?Vieles spricht dafür, dass Fibeln ganz bewusst im Hafen versenkt wurden.? Dort könnte somit auch eine Art Weihe- oder Kultort gewesen sein. Indiz dafür sei die hohe Anzahl neuer, ungebrauchter Fibeln. Außerdem habe man ungewöhnlich viel Pferdegeschirr im Hafen gefunden, so Siepen. Dieses stamme aus der Zeit der Bataverschlacht um das Jahr 69 nach Christus bei Gellep.

Neben römischen kamen auch frühmittelalterliche Funde im Hafen zum Vorschein, was eine weiterführende Nutzung zur fränkischen Zeit dokumentiert. Und hier setzte nun Reichmann mit seinem Vortrag über die rechtsrheinische Anbindung des Gelleper Hafens und über die Marktsiedlung von Duisburg-Serm nahtlos an. Gellep war nicht nur ein Militärstandort am Niedergermanischen Limes, sondern auch ein wichtiger Handelsort, da auf heutiger Duisburger Seite der Hellweg endete. Der Handel mit den Germanen fand nicht direkt in Gellep statt, sondern über Zwischenhändler. Diese kauften bei den rechtsrheinischen Erzeugern entlang des Hellweges ein, wo sich unter anderem bei Castrop-Rauxel Handelsplätze bildeten. In der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts brach dieser Handel aus nicht bekannten Gründen auch immer ab. In dieser Zeit bildete sich bei Serm jedoch ein größerer Umschlagsplatz für Waren aus Germanien, der, wie der Hafen in Gellep, auch nach der römischen Zeit weiter genutzt wurde. Mit der Verlandung des Hafens im achten Jahrhundert und dem Aufstieg Duisburgs als Handelsort verlagerte sich der Hellweg nach Norden und die Bedeutung des Umschlagsplatzes bei Serm ging letztlich im zehnten Jahrhundert verloren.


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