17.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> "Goethe und der Karneval"

"Goethe und der Karneval"

Ein Narrendiplom für den Genius aus Weimar

Düsseldorfs Goethe-Museum präsentiert eine Sonderausstellung zwischen Hoppeditz-Erwachen und Aschermittwoch.

Düsseldorf - Nur wenige Tage nach Erwachen des Hoppeditz auf dem Düsseldorfer Rathausplatz widmet sich auch das Goethe-Museum, Schloss Jägerhof, Jacobistraße 2, der fünften Jahreszeit. Dort wird am Sonntag, 15. November, die Ausstellung "Goethe und der Karneval" in Anwesenheit des Düsseldorfer Prinzenpaares, Prinz Hanno und Venetia Sara, pünktlich um 11.11 Uhr zu karnevalistischen Klängen von Michael Stamm am Hammerflügel eröffnet. Während der gesamten Sessionszeit ? bis zum Aschermittwoch, 10. Februar ? sind Interessierte dazu eingeladen, sich die Ausstellung anzuschauen.

Wer glaubt, die deutsche Klassik ? in dessen Zentrum das Streben nach Ordnung, Würde, Humanität und Klarheit standen ? hätte nichts mit dem Fest der Narren zu tun, der irrt. Auch Johann Wolfgang von Goethe konnte sich der Ausnahmezeit nicht entziehen und machte das Thema zum Gegenstand seiner Überlegungen: Wie verhält sich ein modernes Individuum zum Volksfest, wie der Einzelne zur Menge? Wie lässt sich klassische Bildung mit dem Rausch und der Feier des Leibs verbinden? Wie gehen der Regelverstoß des Karnevals und das Verlangen nach Ordnung des Chaos zusammen?

"Löblich wird ein tolles Streben, / Wenn es kurz ist und mit Sinn": Mit diesen Worten hält Goethe 1825 im Alter von 75 Jahren seine Einstellung zum Karneval im Loblied auf den reformierten Kölner Fastnachtszug schriftlich fest. Dem Plädoyer für den geordneten Regelverstoß geht eine Phase des gemischten Gefühls voraus; einerseits hegt er eine Abneigung gegen den "Taumel" des römischen Karnevals, andererseits fasziniert er ihn. Während seiner Ministerzeit am Hofe Herzogs Carl August in Weimar organisiert er regelmäßig Maskenzüge für das Herzogshaus. Das Alterswerk "Faust II" schließlich bietet 1828 mit der "Mummenschanz" einen langen Karnevalsaufzug.

Schon der junge Goethe hatte Freude an der Verkleidung und am Possenspiel. Den Karneval als Volksfest erlebte er allerdings nur in Italien und beschrieb das Treiben 1789 in der brillanten Studie "Das römische Carneval" als "ein Fest, das dem Volke eigentlich nicht gegeben wird, sondern das sich das Volk selbst gibt" ? im Gegensatz zu den Maskenfesten, an denen sich Goethe in seiner Geburtsstadt Frankfurt und in Weimar beteiligte, die aber der besseren Gesellschaft vorbehalten waren.

"Wirklich jeck" sei Goethe allerdings nicht gewesen, so Museumsdirektor Prof. Dr. Christof Wingertszahn, auch wenn er sich selbst zuweilen "Fastnachts-Goethe" nannte. Als ihm eine Narrenakademie im rheinischen Dülken ungefragt ein Narrendiplom verlieh und übersandte, verschloss er das Dokument in einer Schachtel und archivierte es mit dem Kommentar "rheinische Absurdidät". Heute ist die Urkunde in der Ausstellung zu sehen. Und sogar ein Karnevalsorden, den das Goethe-Museum eigens für diese Ausstellung prägen ließ mit einer Ansicht von Goethe und Schloss Jägerhof.

Die Ausstellung versucht eine Brücke zu schlagen zwischen der seriösen Goethe-Philologie und der karnevalistischen Lachkultur. Sie dokumentiert Goethes Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Phänomen Karneval anhand etlicher Exponate. Neben vielen Objekten aus der eigenen Sammlung zeigt sie Leihgaben aus Privatbesitz und Institutionen wie der Deutschen Oper am Rhein, dem Stadtmuseum Düsseldorf, dem Haus des Karnevals Düsseldorf, dem Kölnischen Stadtmuseum, dem Stadtarchiv Hannover sowie der Klassik Stiftung Weimar.


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