Genanalyse: Eltern von Berliner Eisbärin Hertha sind Bruder und Schwester

Verwechslung in der Zucht - Tonja soll vorerst keinen Nachwuchs mehr bekommen

Folgenschwere Verwechslung in der Eisbärzucht: Die Eltern des Berliner Eisbärenmädchens Hertha sind einer neuen Genanalyse zufolge Geschwister.

Berlin - Grund dafür sei eine zehn Jahre zurückliegende Verwechslung von Herthas Mutter Tonja mit einer anderen, gleichaltrigen Eisbärin, mit der sie sich in Moskau gemeinsam in Quarantäne befunden habe, teilte der Berliner Tierpark am Dienstag mit. Das Zuchtprogramm mit Tonja soll nun vorerst eingestellt werden.

Dem Tierpark zufolge tauchten im vergangenen Jahr Unterlagen im Moskauer Zoo auf, die Zweifel an der Abstammung von Tonja aufkommen ließen. Bei einer Genanalyse habe sich schließlich herausgestellt, dass ihr vor über zehn Jahren die falschen Dokumente zugeordnet worden seien. Die Forscher stellten demnach fest, dass Herthas Mutter nicht wie bisher angenommen von Untay und Murma, sondern von Vrangel und Simona abstammt - ebenso wie Herthas Vater, der Eisbär Wolodja.

"Wäre uns das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Tonja und Wolodja bekannt gewesen, hätten wir die beiden Eisbären selbstverständlich nicht für eine Zucht empfohlen - das war ein Fehler", erklärte die Biologin Marina Galeshchuk aus dem Moskauer Zoo. Ein Zusammenhang der Verwandtschaft mit dem Tod des kleinen Eisbären Fritz und eines namenlosen Eisbärenbabys im Jahr 2017 sei laut Tierpark aber "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auszuschließen. Die Jungtiersterblichkeit bei Eisbären sei auch im natürlichen Lebensraum hoch.

Für alle Beteiligten im Tierpark sei das Ergebnis der Genanalyse "ein Schock" gewesen. Für die Zukunft der Eisbären sei es wichtig, dass nun Klarheit bestehe. Tonja und Hertha sollten "bis auf Weiteres" Berlinerinnen bleiben, teilte der Tierpark mit. Hertha war am 1. Dezember 2018 auf die Welt gekommen. Benannt ist sie nach dem Fußballverein Hertha BSC, der auch eine Patenschaft für die Eisbärin übernahm.

(xity, AFP)