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Gemischte Bilanz nach Prüfung von Organtransplantationen

Verdacht auf Manipulationen am Deutschen Herzzentrum

Transplantationen an deutschen Krankenhäusern verlaufen im Großen und Ganzen entsprechend der rechtlichen Vorgaben, am Deutschen Herzzentrum in Berlin gab es jedoch 14 Verdachtsfälle von Manipulationen.

Berlin - Das bestätigte die Prüfungkommission, die im Zuge des Organspendeskandals vor zwei Jahren eingesetzt wurde und die jetzt ihre Ergebnisse für den Zeitraum 2013/2014 vorstellte.

Nach Aussage der Vorsitzenden der Prüfungskommission, Anne-Gret Rinder, entdeckten die Experten mit Ausnahme des Deutschen Herzzentrums wenige Auffälligkeiten. Sie prüften zwischen September 2013 und August 2014 insgesamt 37 Transplantationsprogramme und sahen dabei rund 1100 Krankenakten ein. Die Transplantationen fanden von 2010 bis einschließlich 2012 statt.

Am Deutschen Herzzentrum fanden die Experten in rund 14 von insgesamt 82 Fällen Auffälligkeiten bei der Verabreichung von herz- und kreislaufunterstützenden Medikamenten. Die Einnahme dieser Medikamente durch den Patienten stellt eine Voraussetzung für die Transplantation eines Herzens dar. Das Medikament sei nur während einer kurzen Phase verabreicht worden, die für die Entscheidung über die Transplantation ausschlaggebend gewesen sei, berichtete Rinder.

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat bereits vor einigen Wochen Ermittlungen gegen eine Ärztin des Herzzentrums wegen versuchten Totschlags eingeleitet. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die Ermittlungen dauerten an.

In ihrer Gesamtbewertung kam Rinder dennoch zu einem positiven Urteil: Bei Transplantationen der Nieren, der Bauchspeicheldrüse und bei kombinierten Transplantationen beider Organe bestehen nach ihren Angaben "keine Anhaltspunkte für systematische Verstöße und Manipulationen" in den geprüften Zentren. In vier Fällen wurden bei Nierentransplantationen falsche Daten eingetragen. Dahinter sei keine Manipulationsabsicht zu vermuten, sondern es handele sich vermutlich um Dokumentationsfehler.

Auch bei Lebertransplantationen sei nicht von einem systematischen Vorgehen oder von Manipulationen auszugehen. Hier fanden sich in den beiden kontrollierten Kliniken in Regensburg und Berlin (Charité) acht Fälle von Unregelmäßigkeiten in 117 geprüften Akten. Es habe keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass privatversicherte Patienten bevorzugt behandelt und transplantiert würden. Das gelte auch für Staatsbürger, die nicht aus dem sogenannten Eurotransplant-Raum stammen. In Eurotransplant haben sich acht europäische Länder zusammengeschlossen, die bei Transplantationen zusammenarbeiten.

Neben der Prüfungskommission berichtete auch die Leiterin der Vertrauensstelle Transplantationsmedizin, Ruth Rissing-van Saan, über ihre Arbeit. Bei der Stelle meldeten sich insgesamt 162 Menschen, 14 davon anonym. Themen der Anfragen seien Probleme bei der Zuteilung eines Spenderorgans, die Diagnose von Hirntod sowie die Lebendorganspende gewesen.

Die Prüfungskommission war eingesetzt worden, nachdem 2012 an mehreren Universitätskliniken Manipulationen bei Lebertransplantationen aufgedeckt worden waren. Das hatte zu einem schweren Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Organspende geführt. 2013 wurde ein historischer Tiefstand erreicht mit lediglich 876 Spendern. Das waren gut 16 Prozent weniger als im Jahr davor. 2011 hatte es noch rund 1200 Spender gegeben. Auch 2014 sind die Zahlen in den ersten vier Monaten (287) wieder niedriger gewesen als 2013 (301).

(xity, AFP)


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