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Gemeinsam gegen das Alleinsein

Sozialer Wandel durch die Corona-Pandemie

Am Samstag, 24. Oktober 2020, findet ein Vortrag unter dem Titel „Schattendasein: Gemeinsam gegen das Alleinsein“ im Schlachthof in Soest statt. Einen Livestream gibt es auch.

Soest - „Ich war immer schon nicht so die Partygängerin oder hatte viele Freunde und Bekannte“, erzählt Annika N. Nach Feierabend bevorzugt sie die Fernsehangebote ihres vertrauten Streamingdienstes, bestellt Essen beim Lieferservice und taucht ein, in die ideale Welt romantischer Serien. Wie Annika N. rutschen viele Menschen durch die coronabedingten Maßnahmen wie Heimarbeit und Kontaktbeschränkungen kaum merklich immer tiefer in die Vereinsamung hinein. Wer scheu oder gar ängstlich ist, dem fällt es nicht schwer, seinen Alltag möglichst kontaktarm zu gestalten. In der derzeitigen Lage verhält sich die Person sogar „vorbildlich“, wie Annika N. es ausdrückt.
„Ich habe Patienten, die verbringen Jahre ihres Lebens allein zu Hause, werden von Angehörigen mitversorgt, gehen keiner Arbeit oder Freizeitaktivität außerhalb ihres zu Hauses nach“, so Dr. Ewald Rahn, Ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt. „Schattendasein“ nennt Dr. Ewald Rahn so ein Leben im Verborgenen.
Doch Ängste steigern sich, wenn man sich ihnen nicht stellt. Wer auf Ängste mit Flucht- oder Vermeidungsverhalten reagiere, dessen Ängste würden immer wieder verstärkt, erläutert der Experte. Dr. Rahn: „Die Rechnung ist einfach. Wenn ich soziale Ängste habe, lösen Menschen unangenehme Empfindungen bei mir aus, ich erlebe Stress. Gehe ich Menschen dann aus dem Weg, verringern sich auch mein Stress und meine Angst. Das Problem: So gebe ich meiner Angst immer Recht, wodurch sie stärker und stärker wird.“
Natürlich ist nicht jede Schüchternheit gleichzusetzen mit einer sozialen Phobie, die sich mit Symptomen wie Herzklopfen, Schweißausbrüchen oder Magenkrämpfen bemerkbar machen kann. Besteht jedoch ein Leidensdruck, ist therapeutische Hilfe ratsam. „Wer unter sozialen Ängsten leidet, also Probleme damit hat, sich in Gruppensituationen zu begeben oder wenn andere ihre Aufmerksamkeit auf ihn richten, der sollte sich unter professioneller Begleitung Schritt für Schritt mit seinen Angstauslösern konfrontieren,“ so Dr. Rahn.
Eine intensive Auseinandersetzung mit den persönlichen Folgen, die die Corona-Pandemie bzw. die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen ergeben, ist am Samstag, 24. Oktober 2020 in der Veranstaltung „Schattendasein: Gemeinsam gegen das Alleinsein“ des Bündnisses für seelische Gesundheit im Kreis Soest möglich. Los geht es um 10 Uhr im Kulturhaus Alter Schlachthof in Soest. Dr. Ewald Rahn hält zunächst einen Vortrag. Anschließend haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, sich an themenbezogenen Gesprächsgruppen zu beteiligen.
Die Veranstaltung findet unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen statt. Eine vorherige Anmeldung ist zwingend notwendig und bis zum 21. Oktober 2020 möglich. Astrid Schlüter von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) des Kreises Soest nimmt die Anmeldungen entgegen, unter der Telefonnummer 02921-302162 oder E-Mail an kiss@kreis-soest.de. Die Teilnehmerzahl ist auf 50 Personen begrenzt. Interessierte haben zudem die Möglichkeit, sich den Vortrag per Livestream unter www.kreis-soest.de/schattendasein anzusehen. Hierfür ist keine Anmeldung notwendig. Per Chat können Fragen zum Vortrag gestellt werden.


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