Gauck ruft Deutsche und Polen zu mehr Dialog auf

Bundespräsident warnt vor Rückfall in "alte Ressentiments"

Angesichts der jüngsten Schwierigkeiten zwischen Deutschland und Polen hat Bundespräsident Joachim Gauck zu mehr Dialog aufgerufen und vor dem Rückfall in "alte Ressentiments" gewarnt.

Berlin - Im Gespräch mit der polnischen Zeitschrift "Polityka" warb Gauck dafür, "dass Polen und Deutschland über wichtige Fragen frühzeitig miteinander sprechen". Trotz der "einzelnen Differenzen" dürfe nicht vergessen werden, was Deutsche und Polen im letzten Vierteljahrhundert gemeinsam erreicht hätten.

Gauck feiert Ende der Woche zusammen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Berlin und Warschau den 25. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags. Dieser gilt als Grundstein der Aussöhnung und Freundschaft zwischen den beiden Ländern. Die deutsch-polnischen Beziehungen sind derzeit unter anderem wegen unterschiedlicher Positionen in der Flüchtlingskrise und Kritik am Umgang der polnischen Regierung mit dem Verfassungsgericht des Landes belastet.

Gauck versicherte in dem Interview, das der "Tagesspiegel" in seiner Online-Ausgabe übernahm, kein deutscher Politiker suche "irgendeine Form der Dominanz über Polen". Im Gegenteil, fügte der Bundespräsident hinzu: "Wir wollen eine echte Partnerschaft."

Gauck warb zudem für die europäische Integration und warnte vor einer Renationalisierung der Politik. Wichtig sei es allerdings, "die Menschen mit der europäischen Idee" zu erreichen, und ihnen zugleich ihre Heimatgefühle und nationalen Identitäten zu lassen. Der Bundespräsident plädierte in dem Zusammenhang dafür, derzeit keine weiteren Integrationsschritte in der EU zu gehen und den Menschen "etwas Zeit" zu geben. "Die politischen und wirtschaftlichen Eliten sind hier mit ihren Plänen, ihren Aktivitäten und in ihrer Mentalität großen Bevölkerungsgruppen vorausgeeilt."

(xity, AFP)