Gauck fordert von Bürgern Engagement für die Demokratie

Festakt zu Friedlicher Revolution 1989 in Leipzig

25 Jahre nach der Friedlichen Revolution hat Bundespräsident Joachim Gauck von den Bürgern mehr Engagement für die Demokratie gefordert.

Leipzig - "Von uns allen hängt ab, ob und wie gut unsere Demokratie funktioniert", sagte Gauck anlässlich des Wendejubiläums in Leipzig. Zugleich würdigte er den Mut der Ostdeutschen, ohne die 1989 "der Weg in Demokratie und Freiheit nicht gelungen wäre".

Gauck mahnte bei einem beim Festakt im Leipziger Gewandhaus, Freiheit und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeit. "Wir dürfen niemals vergessen, dass unsere Demokratie nicht nur bedroht ist von Extremisten und Fanatikern, von Ideologen, sondern dass sie ausgehöhlt werden und ausdörren kann, wenn die Bürger sie nicht mit Leben erfüllen", sagte er in seiner Rede.

Deutschland müsse die freiheitliche Demokratie aber nicht nur im Innern, sondern auch nach außen verteidigen. "Wer nur abseits steht und sich heraushält, wird zum beherrschten Objekt", mahnte der Bundespräsident.

Gauck bekräftigte in Leipzig den Wunsch nach einer aktiveren Rolle Deutschlands in der Welt. Es müsse neu darüber nachgedacht werden, "welche Mitverantwortung Deutschland angesichts dieser veränderten Lage für die ´eine Welt´ zu tragen bereit ist".

In sehr persönlichen Worten erinnerte Gauck an die friedliche Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 und daran, wie auch an anderen Orten der DDR immer mehr Menschen auf die Straße gingen. Ohne dies wäre der Mauerfall nicht denkbar gewesen. "Vor der Einheit kam die Freiheit", sagte Gauck bei dem Festakt, an dem auch die Staatspräsidenten Tschechiens, Polens, Ungarns und der Slowakei sowie zahlreiche ehemalige DDR-Bürgerrechtler teilnahmen.

Gauck würdigte die Bürgerrechtler, die sich schon früh in Kirchen- und Umweltkreisen engagiert und die Grundlage für den Aufbruch im Herbst 1989 gelegt hätten. Jeder, der für Veränderungen eingetreten sei, habe viel riskiert. Die DDR sei "ein Unrechtsstaat" gewesen, in dem Willkür und "ein Klima der Angst" herrschten.

Am 9. Oktober 1989 waren bei der Montagsdemonstration in Leipzig rund 70.000 Menschen auf die Straße gegangen, so viele wie nie zuvor. Mit dem Ruf "Wir sind das Volk" und "Keine Gewalt" forderten die Demonstranten Reformen und stellten sich den aufmarschierten DDR-Sicherheitskräften entgegen. Polizei und Armee griffen nicht ein. Daher gilt der 9. Oktober als entscheidender Tag des Wendeherbstes. Vier Wochen später fiel die Mauer.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte, der 9. Oktober reihe sich ein in die großen Freiheitsbewegungen Europas. "In Leipzig wurde an diesem Tag Geschichte geschrieben." Ähnlich wie Gauck beklagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ein mangelndes Interesse an demokratischer Mitbestimmung. "Es erscheint vielen von uns oft zu mühsam zu sein, selbst anzupacken bei der demokratischen Gestaltung von Staat und Gesellschaft", betonte er.

An die Friedliche Revolution wird in Leipzig mit weiteren Veranstaltungen erinnert. Am Nachmittag ist in der Nikolaikirche, die 1989 Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen war, das traditionelle Friedensgebet geplant. Zu einem von Künstlern gestalteten Lichtfest werden am Abend mehr als hunderttausend Menschen erwartet.

(xity, AFP)