01.10.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Gauck beschwört Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft

Gauck beschwört Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft

Bundespräsident äußert sich nach Anschlag in Paris

Vertreter des Christentums, des Judentums und des Islams haben nach dem Terroranschlag in Paris ein gemeinsames Manifest gegen Gewalt veröffentlicht.

Berlin - Als Reaktion auf den Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund hat Bundespräsident Joachim Gauck den Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft beschworen. "Ich bin sicher, unsere Demokratie ist stärker als der Terror", sagte Gauck in Berlin. "Wir lassen uns durch den Hass nicht spalten."

Die Gemeinschaft der Anhänger der verschiedenen politischen Lager und Religionen, darunter Christen, Muslime und Juden, sei groß und lasse sich durch "Extremisten gleich jeder Richtung nicht klein machen und nicht schwach machen", sagte Gauck. Gerade jetzt müssten Redefreiheit und Demokratie verteidigt werden.

"Das Attentat erschüttert uns, aber es erschüttert nicht unsere Überzeugungen", fügte der Bundespräsident hinzu. Name, Herkunft und Religion eines Menschen seien nicht entscheidend. "Für uns zählt, was die Verschiedenen miteinander verbindet: Das Bekenntnis zu Verfassung, Rechtsstaat und Menschlichkeit. Das ist das Fundament einer Gesellschaft, in der wir alle friedlich miteinander leben können." Es gebe Institutionen und Gesetze, um Fanatismus und Gewalt zu begegnen.

Bei dem Anschlag in Paris hatten am Mittwoch zwei schwer bewaffnete Männer die Redaktion von "Charlie Hebdo" überfallen und zwölf Menschen getötet. Die Behörden gehen von einem islamistischen Hintergrund der flüchtigen Attentäter von Paris aus. "Charlie Hebdo" hatte in der Vergangenheit unter anderem mit Mohammed-Karikaturen für Aufsehen gesorgt.

Vertreter des Christentums, des Judentums und des Islams veröffentlichten derweil ein gemeinsames Manifest gegen Gewalt. "Im Namen Gottes darf nicht getötet werden", schrieben ranghohe Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche sowie von Juden und Muslimen in ihrer Erklärung in der "Bild"-Zeitung. "Bibel, Tora und Koran sind Bücher der Liebe, nicht des Hasses."

In ihrer Erklärung warnten die Religionsvertreter außerdem vor Racheakten nach dem Anschlag auf das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten. Die Taten seien "ein Angriff auf die Freiheit des Denkens, des Glaubens und unserer gemeinsamen Werte von Toleranz und Nächstenliebe, den wir zutiefst verabscheuen", hieß es in der Erklärung.

Zu den Unterzeichnern gehören Alois Glück vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken, der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime. Außerdem sind die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Münchens und Oberbayerns, Charlotte Knobloch, sowie der frühere Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, beteiligt.

Die Vertreter der Religionen riefen zum Gebet für die Opfer des Anschlags auf. "Nur gemeinsam können wir unsere Werte und unseren Glauben gegen radikalisierte Minderheiten schützen", hieß es. "Wir werden nicht zulassen, dass Fanatismus, Terror und Gewalt diese gemeinsamen Werte zerstören."

(xity, AFP)


Copyright 2019 © Xity Online GmbH