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Gabriel kritisiert schleppende Suche nach neuer SPD-Spitze

Ex-Parteichef: Vorsitz wird fast wie "infektiöses Kleidungsstück" behandelt

Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat die schleppende Suche nach einer neuen Parteispitze scharf kritisiert.

Berlin - "Ich sehe das mit großer Verzweiflung und auch wachsendem Zorn, wie der Vorsitz der SPD fast schon wie ein infektiöses Kleidungsstück behandelt wird, das sich niemand ins Haus holen will", sagte Gabriel der "Bild am Sonntag". Scheinbar dächten viele immer nur darüber nach, "ob ihnen der SPD-Vorsitz nutzt oder schadet".

Gabriel nahm vor allem die Spitzenpolitiker seiner Partei in die Pflicht: "Ich erhoffe mir sehr, dass Menschen, die ihre gesamte Karriere nur der SPD verdanken, unserer Partei jetzt auch was zurückgeben." Die SPD brauche jetzt neue Vorsitzende, "die für nichts anderes brennen als dafür, die SPD nach 160 Jahren nicht verschwinden zu lassen", forderte der ehemalige Parteichef. Es gehe "gerade um die Existenz meiner Partei".

Er kritisierte aber auch die innerparteilichen Debatten und den Umgang mit der Parteispitze. "Wir streiten uns um Halbsätze, damit sich auch wirklich jeder in all den Papieren wiederfinden kann", sagte Gabriel. Doch wenn regiert werde, brächen diese Konflikte auf. "Dann geht es auf einmal nicht mehr ums Regieren, sondern ums innerparteiliche Rechthaben", kritisierte der frühere Außenminister. In diesem Mühlstrom werde das Führungspersonal der SPD regelmäßig zermahlen.

Dieses Verhaltensmuster in der Partei müsse sich ändern, forderte Gabriel. Ansonsten werde auch die "die nächste Führung zerschlissen". Seine große Sorge sei, dass die Bewerber um den SPD-Vorsitz auf jeder Mitgliederveranstaltungen nur gefragt würden, ob sie für oder gegen die Beteiligung an der großen Koalition seien. Das sei auch wichtig. Er vermute aber, "es geht schon wieder ums Rechthaben", sagte Gabriel.

Die SPD sucht nach dem Rücktritt von Andrea Nahles eine neue Spitze, im Gespräch ist dafür ein Duo. Interessenten können ihre Kandidatur noch bis zum 1. September anmelden. Anschließend stimmen die Mitglieder ab. Die formale Entscheidung trifft ein Parteitag im Dezember.

(xity, AFP)


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