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Für Kitas sind laut Studie über 100.000 zusätzliche Fachkräfte nötig

Bertelsmann-Stiftung bemängelt fehlende einheitliche Standards

In den deutschen Kitas und Kindergärten müssen nach einer Studie mehr als 100.000 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden, um eine optimale Betreuungsqualität zu erreichen.

Berlin - Nur mit mindestens 106.500 Fachkräften zusätzlich lasse sich der Betreuungsschlüssel in Kitas auf drei Kinder pro pädagogische Fachkraft und in Kindergärten auf 7,5 Kinder pro Fachkraft senken, teilte die Bertelsmann-Stiftung am Donnerstag in Gütersloh mit. Sozialverbände und Bildungsexperten forderten eine Kraftanstrengung der Politik

Die Studie ergab für die vergangenen Jahre zugleich aber erhebliche Fortschritte bei der Personalausstattung. Mit dem Kitaausbau sei die Zahl des pädagogischen Personals von 2008 bis 2018 um 54 Prozent von 379.146 auf 582.125 gestiegen.

Gleichzeitig habe es auch beim Betreuungsschlüssel Fortschritte gegeben. Am 1. März 2013 sei in Kitas eine Fachkraft für 4,6 ganztagsbetreute Kinder zuständig gewesen, fünf Jahre später für rechnerisch 4,2 Kinder. In Kindergartengruppen sank der Betreuungsschlüssel im selben Zeitraum von 9,6 Kindern auf 8,9 Kinder.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, steigt der in Kitas und in der Tagespflege betreuten unter Dreijährigen. Anfang März seien 818.500 Kinder in einer Tagesstätte oder bei Tageseltern betreut worden, 28.900 mehr als ein Jahr davor. Damit seien 34,3 Prozent der unter Dreijährigen betreut worden, nach 33,6 Prozent vor einem Jahr.

Regional gibt es dabei deutliche Unterschiede. Während in Sachsen-Anhalt 58,2 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe betreut wurden, waren es in Nordrhein-Westfalen nur 28,2 Prozent und in Bremen nur 28,4 Prozent.

Die Bertelsmann-Stiftung konstatierte auch bei der Personalausstattung regional erheblich unterschiedliche Entwicklungen. In den Ländern Bremen oder Thüringen stagnierte oder verschlechterte sich die Personalausstattung demnach, in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hamburg habe es ausgehend von einem ungünstigen Ausgangsniveau erhebliche Verbesserungen gegeben.

Trotz des Qualitätsausbaus der vergangenen Jahre hingen die Bildungschancen der kleinen Kinder aber weiterhin stark vom Wohnort ab. So sei in Mecklenburg-Vorpommern eine Fachkraft im Kindergarten rechnerisch für 13,2 Kinder zuständig, in Baden-Württemberg aber nur für sieben Kinder. Im Bereich der Krippen komme in Sachsen eine Fachkraft auf 6,2 Kinder, in Baden-Württemberg auf drei Kinder.

Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte mehr Tempo bei der Verbesserung der Kitaqualität. Dazu seien sowohl mehr Geld als auch deutschlandweit einheitliche Qualitätsstandards nötig. Es gehe viel zu langsam bei der Verbesserung des Personalschlüssels voran, kritisierte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Kinderhilfswerks.

Der Sozialverband AWO Bundesverband forderte, die Ausbildungs- und Beschäftigungssitutation von Erziehern massiv zu erhöhen. Das Gute-Kita-Gesetz und die Fachkräfteoffensive seien da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nötig sei eine Vergütung der Auszubildenden, das Ausbildungssystem müsse insgesamt durchlässiger werden und Aufstiege ermöglichen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte neben guter Bezahlung auch gute Arbeitsbedingungen. Die kommunalen Arbeitgeber sollten umgehend Vorschläge zur Verbesserung der Betreuungsberufe machen.

Derweil erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD), die alljährliche Studie der Bertelsmann-Stiftung habe eine geringe Aussagekraft. Wegen der nicht vorhandenen bundesweit einheitlichen Standards seien die Ländersysteme nicht zu vergleichen. Außerdem seien im Fall von Mecklenburg-Vorpommern nicht die überdurchschnittlich hohe Qualität der Fachkräfte berücksichtigt worden sowie die Investitionen des Landes im Bereich Qualität.

(xity, AFP)


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