Früherer Auschwitz-Wachmann zu fünf Jahren Haft verurteilt

Detmolder Landgericht sieht "Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen"

Im Prozess gegen den Ex-Auschwitz-Wachmann Reinhold H. hat das Detmolder Landgericht den 94-jährigen Angeklagten zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Detmold - Das Urteil erfolgte nach Gerichtsangaben "wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 tateinheitlich zusammentreffenden Fällen". H. sei bewusst gewesen, "dass in Auschwitz tagtäglich unschuldige Menschen in Gaskammern ermordet wurden", hieß es zur Begründung.

H. war angeklagt, als Mitglied der SS-Wachmannschaften zwischen 1943 und 1944 Beihilfe zum Mord an mindestens 170.000 Menschen geleistet zu haben. Die Staatsanwaltschaft forderte im Prozess sechs Jahre Haft. Die Verteidigung des Angeklagten plädierte in den rund viermonatigen Prozess auf Freispruch.

H. räumte in dem Verfahren ein, als Wachmann in Auschwitz gewesen zu sein. Er bestritt aber jede Beteiligung an der Ermordung von Menschen. In Auschwitz ermordeten NS-Täter schätzungsweise 1,1 Millionen Menschen, darunter etwa eine Million Juden. Der Prozess in Detmold dürfte einer der letzten NS-Prozesse in Deutschland gewesen sein.

(xity, AFP)