Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Lanier

Autor benennt Gefahren und Risiken der Digitalisierung

Autor, Musiker und Internet-Pionier hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen.

Frankfurt - Der US-Informatiker nahm den Preis vor rund tausend geladenen Gästen in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sagte in seiner Laudatio, kaum jemand habe die Gefahren und Risiken der zunehmenden Digitalisierung grundsätzlicher benannt als Jaron Lanier. Er warne davor, "Computer und Netzwerke über das Menschliche zu stellen, den Menschen also klein zu machen".

Schulz betonte, die Debatte über die digitale Zukunft betreffe alle Menschen. "Sie entscheidet über unsere zukünftige Freiheit, über Gerechtigkeit und ob wir in einer humanen, solidarischen, pluralistischen und kreativen Welt leben werden."

Lanier setzte sich in den vergangenen Jahren vor allem kritisch mit den Folgen der digitalen Welt auseinander, etwa in seinem jüngsten Buch "Wem gehört die Zukunft?". Er kritisiert unter anderem das Geschäftsmodell von Internetunternehmen wie Facebook, die massenhaft persönliche Daten von Internetnutzern sammelten und diese zur Zielscheibe für Werbung machten.

In seiner Dankesrede sagte Lanier, Internetnutzer würden sich "der billigen und beiläufigen Massenspionage und -manipulation" unterwerfen. Bis auf eine kleine Minderheit extrem reicher Technologie-Unternehmer erlebe heute jeder Einzelne einen "Verlust von Sicherheit". Lanier betonte, er habe "immer noch größere Freude an Technologie, als ich ausdrücken kann". Das Internet dürfe aber nicht zur einzigen Plattform für Kommunikation werden. Lanier sagte, er glaube an die "Besonderheit des Menschen". Nur so sei es möglich, nach einer humanistischen Gesellschaft zu streben.

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis der Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben. Preisträger waren unter anderem Albert Schweitzer, Astrid Lindgren, Václav Havel, Martin Walser und der regimekritische chinesische Autor Liao Yiwu. Im vergangenen Jahr wurde die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch ausgezeichnet.

(xity, AFP)