10.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Freispruch im Prozess um Entführung des Unternehmersohns Würth

Freispruch im Prozess um Entführung des Unternehmersohns Würth

Landgericht Gießen sieht keinen Hinweis auf Tatbeteiligung von 48-Jährigen

Der Entführungsfall des Unternehmersohns Markus Würth im Juni 2015 bleibt unaufgeklärt.

Gießen - Knapp ein dreiviertel Jahr nach der spektakulären Festnahme eines Tatverdächtigen auf Grundlage einer Tonbandaufnahme sprach das Landgericht Gießen den Mann am Dienstag frei. Nach gut zweimonatiger Prozessdauer hielt das Gericht die Aufnahme der Stimme in dem Indizienprozess für nicht ausreichend für eine Verurteilung 48-Jährigen.

Der damals 50 Jahre alte Sohn des Schraubenunternehmers und Milliardärs Reinhold Würth war im Juni 2015 im hessischen Schlitz entführt worden. Für die Freilassung des behinderten Mannes forderte der Entführer ein Lösegeld in Höhe von drei Millionen Euro. Die Übergabe des Geldes war vorbereitet, scheiterte aber. Einen Tag nach der Entführung wurde Markus Würth unterkühlt, aber wohlbehalten an einen Baum gefesselt gefunden.

Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Plädoyer der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen dreieinhalb Jahre Haft wegen erpresserischen Menschenraubs gefordert.

Der nun freigesprochene Mann lebte zuletzt in Offenbach, ursprünglich stammte er aus Serbien. Eine Zeugin hatte nach einer Öffentlichkeitsfahndung der Polizei mit der Tonbandaufnahme eines Entführeranrufs in der Stimme einen bei ihr tätigen Handwerker zu erkennen geglaubt - den nun Freigesprochenen.

Die Staatsanwaltschaft stützte ihre Anklage im Wesentlichen auf die Tonbandaufnahme. Ein Stimmengutachten ergab in dem Prozess, dass auf dem Tonband mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Angeklagte zu hören gewesen sei.

Dieser Sicht folgte das Gericht nach Angaben eines Sprechers letztlich aber nicht. Demnach bewertete die Kammer das Stimmgutachten als nicht ausreichend. Der Prozess habe viel mehr die Grenzen einer solchen Expertise gezeigt.

Dies liege vor allem an der speziellen Situation des Falles mit einem Angeklagten, der als Serbe Deutsch erst als zweite Sprache gelernt hat, sagte der Gerichtssprecher. Für diese Gruppe gebe es nicht ausreichend viele Daten für Stimmgutachten, um eindeutige Spezifika für eine Identifizierung zu erarbeiten. Anders als bei der bei jedem Menschen einzigartigen DNA gebe es keine einzigartige Stimme.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Familie Würth kann noch Rechtsmittel einlegen. Der Haftbefehl gegen den seit März in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten wurde noch im Gericht aufgehoben. Außerdem steht dem Mann nun ein Anspruch auf Haftentschädigung zu.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist das Urteil bei der Aufklärung des Verbrechens ein erheblicher Rückschlag. Die Anklage ging davon aus, dass es mehrere Tatbeteiligte gab - neben dem nun Freigesprochenen gibt es aber bisher keine namentlich Beschuldigten.

(xity, AFP)


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