Forderungen nach weiteren Corona-Maßnahmen in den Schulen werden lauter

Lauterbach: "Schulbetrieb wird zu einem hohen Risiko"

Angesichts weiter hoher Corona-Infektionszahlen werden die Forderungen nach weiteren Beschränkungen in Deutschlands Schulen lauter.

Angesichts weiter hoher Corona-Infektionszahlen werden die Forderungen nach weiteren Beschränkungen in Deutschlands Schulen lauter. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte: "Wir kommen in eine Situation hinein, wo der Schulbetrieb für Kinder, Lehrer, Eltern und Großeltern zu einem hohen Risiko wird." Lauterbach sprach sich für eine Aufteilung von Schulklassen aus; die Gewerkschaft GEW forderte den Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling ab einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 50.

Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag: "Gelingt es uns nicht, den Unterricht neu zu organisieren, werden wir keine andere Wahl haben, als die Weihnachtsferien künstlich zu verlängern oder eine zusätzliche Ferien-Episode etwa im Februar einzulegen." Lauterbach forderte darüber hinaus, "im Winter durchgehend mit Maske" zu unterrichten und mobile Luftfilteranlagen bereitzustellen.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlies Tepe, erwartet von den Bund-Länder-Beratungen am Montag, "dass es eine Entscheidung für den Wechselunterricht gibt", wie sie der "Passauer Neuen Presse" sagte. Dieser müsse bei mehr als 50 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen angeordnet werden. Wechselunterricht sei eine Möglichkeit, vollständige Schulschließungen zu verhindern, sagte Tepe weiter.

An den Schulen herrschten teils unverantwortliche Zustände, beklagte Tepe. "Es werden zurzeit nicht einmal überall die Sitznachbarn infizierter Schüler in Quarantäne geschickt. Das ist unverantwortlich." Der Präsenzunterricht sei wichtig, "aber nicht um jeden Preis."

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger: "Schulen auf Biegen und Brechen offenzuhalten, ist nicht der richtige Weg", sagte er am Samstag im NDR. Zudem benötigten die Schulen mehr finanzielle Unterstützung. So fehlten vielerorts noch immer Raumluftfilter oder Trennwände.

SPD-Experte Lauterbach sprach sich dafür aus, die Schulen auf jeden Fall offen zu halten. "Aber die Art und Weise, wie die Schulen jetzt betrieben werden, ist nicht sicher genug", betonte er. Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren seien genauso ansteckend wie Erwachsene. "Wir erleben eine Verlagerung des Pandemiegeschehens auf das Schulalter", erklärte Lauterbach. "Der Wellenbrecher-Shutdown wird nicht ausreichend funktionieren, wenn wir das, was wir bei den Erwachsenen gewinnen, bei den Kindern wieder verlieren."

Gegen erneute Schulschließungen wandten sich auch die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Bayern, Malu Dreyer (SPD) und Markus Söder (CSU). Dreyer sagte der "Rheinischen Post" vom Samstag: "Wir haben in einem großen Kraftakt viele Bereiche des öffentlichen Lebens geschlossen, damit Kitas und Schulen offenbleiben können, weil wir schmerzlich erfahren haben, wie sehr viele Kinder und ihre Familien in der Zeit der Schulschließung gelitten haben." Daher halte sie die Diskussion um Schulschließungen aktuell für falsch.

Söder sagte bei der Landesversammlung der Jungen Union Bayern am Samstag, es sei eine "bewusste Entscheidung" gewesen, Schulen und Kitas vom Lockdown im November auszunehmen. Er räumte ein: "Die Infektionszahlen steigen in der Schule nicht so stark an, aber die Betriebstemperatur wird höher."

Der CSU-Ministerpräsident forderte daher: "Wenn wir Schule offen lassen wollen, brauchen wir mehr Vorbeugemaßnahmen, dazu gehört die Maske." An den Schulen sollte es keine Ausnahmen von der Maskenpflicht geben.

© 2020 AFP