Forderung nach "kreativen Lösungen" für Unterricht in Corona-Krise

Bildungsangebot im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird ausgeweitet

Ob "kreative" Unterrichtslösungen oder mehr Planungssicherheit für Eltern und Kinder: Die Schulschließungen im Corona-Lockdown sorgen weiter für intensive Debatten.

Ob "kreative" Unterrichtslösungen oder mehr Planungssicherheit für Eltern und Kinder: Die Schulschließungen im Corona-Lockdown sorgen weiter für intensive Debatten. Zur besseren Unterstützung von Familien in dieser Ausnahmesituation sollen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nun neue Bildungsprogramme gesendet werden. Die geplante Ausweitung des Kinderkrankengelds nimmt einem Medienbericht zufolge unterdessen Gestalt an.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warb am Wochenende für neue Formen des Schulunterrichts für die Corona-Zeit: "Ganz normaler Unterricht wird an vielen Orten noch lange nicht möglich sein", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. "Daher müssen wir andere, kreative Lösungen finden", sagte sie. "Warum sollen geschlossene Museen und leere Theatersäle nicht für den Unterricht genutzt werden? Warum holt man nicht das Technische Hilfswerk und Messebauer in die Schulen, um Luftfilter einzubauen?" Zudem sprach sie sich für eine Ausweitung des Bildungsprogramms im öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus.

Der ARD-Vorsitzender Tom Buhrow kündigte am Sonntag an, dass das Bildungsangebot als Reaktion auf den Schul-Lockdown ausgeweitet werde. "Wir möchten in dieser Ausnahmesituation eine Unterstützung für den Alltag sein und den Familien mit unserem erweiterten Bildungsangebot zur Seite stehen", erklärte er. Neue Inhalte sind demnach sowohl im Fernsehen als auch im Internet verfügbar - unter anderem in der ARD-Mediathek und auf der Bildungsplattform Planet Schule; auch die dritten Programme und der Kanal Kika von ARD und ZDF senden neue Bildungsangebote.

Unionsfraktionschef Brinkhaus forderte für die Schulen eine schnelle Perspektive für das restliche Schuljahr. "Schulen, Eltern und Kinder brauchen Planungssicherheit", sagte er der "Neuen Westfälischen" aus Bielefeld (Samstagsausgabe). "Müssen wir Maßnahmen verlängern? Welche Auswirkungen hat das auf Prüfungen? Verkürzen wir die Osterferien? Die Menschen wollen planen, das Familienleben regeln", sagte er der Zeitung. Mit klaren Aussagen solle die Politik das umgehend klarstellen.

Die künftige Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Britta Ernst (SPD), hatte bezüglich der Planungssicherheit für Schulen indes am Donnerstag betont, dass längerfristige Voraussagen zur Öffnung der Schulen in der Pandemie derzeit nicht möglich seien. Die Bildungsminister bewerteten die Situation täglich neu, hatte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gesagt.

Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding forderte am Samstag, die Schulen müssten so schnell wie möglich wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren, den Anfang sollten die Grundschulen machen. "Denn gerade für die jüngeren Schüler und Kinder aus benachteiligten Familien ist das Lernen in Präsenz unersetzbar", erklärte sie. Zudem sei den Eltern gleichzeitige Kinderbetreuung, Homeoffice und Hausarbeit schlicht nicht länger zuzumuten. Nötig seien unter anderem Luftfiltergeräte und Schnelltests flächendeckend an allen Schulen.

Zur geplanten Ausweitung des Kinderkrankengelds berichtete das Nachrichtenportal "ThePioneer" (Montagsausgabe) unter Berufung auf eine Formulierungshilfe für die Koalitionsfraktionen, dass Eltern, die wegen des Lockdowns die Leistung in Anspruch nehmen, ihrer Krankenkasse wohl eine Bescheinigung vorlegen müssen, dass Schule oder Kita geschlossen sind. Diese Regelung werde derzeit innerhalb der Bundesregierung abgestimmt und solle am kommenden Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden.

Das Kinderkrankengeld beläuft sich auf bis zu 90 Prozent des entfallenen Nettoarbeitslohns. Laut dem Beschluss des Corona-Gipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder vom vergangenen Dienstag sollen Schulen und Kindergärten im gesamten Januar weitgehend geschlossen bleiben. Eltern sollen deshalb bis zu zehn zusätzliche Tage und Alleinerziehende bis zu 20 zusätzliche Tage Kinderkrankengeld in Anspruch nehmen können. Dies soll ausdrücklich auch dann gelten, wenn wegen der Schließung von Schulen und Kitas eine Betreuung des Kindes zu Hause erforderlich wird.

© 2021 AFP