Foodwatch wirft Rewe irreführende Klima-Werbung bei Hühnchenfleisch vor

Projekt zum Ausgleich von Emissionen trage nicht zu Klimaschutz bei

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch wirft der Supermarktkette Rewe irreführende Klima-Werbung vor.

Berlin - Das Hähnchen-Brustfilet der Rewe-Marke Wilhelm Brandenburg, das ein "klimaneutral"-Logo trägt, sei eine "dreiste Klimalüge", kritisierte der Wahlleiter des Foodwatch-Negativpreises Goldener Windbeutel, Manuel Wiemann, am Donnerstag. Das Produkt werde nicht emissionsfrei hergestellt. Außerdem schütze ein in diesem Zusammenhang betriebenes Partnerschaftsprojekt in Peru zur Kompensation von Treibhausgasen weder den dortigen Wald, noch das Klima.

Mit dem Goldenen Windbeutel zeichnet Foodwatch jedes Jahr die "dreisteste Werbelüge des Jahres" aus. In einer am Mittwoch an Rewe versandten Abmahnung, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, forderte die Organisation das Unternehmen zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auf. "Das von Ihnen beworbene Hähnchenbrustfilet wird weder emissionsfrei hergestellt, noch werden die bei der Herstellung generierten Emissionen ausgeglichen", schrieb Foodwatch in der Abmahnung.

Nach eigenen Angaben kompensiert Rewe die bei der Produktion des Hühnchenfleischs entstandenen Emissionen mit einem Wald-Projekt in Peru, das von dem Anbieter Climate Partner angeboten wird. Laut Foodwatch erfüllt dieses Projekt aber nicht die grundlegenden Anforderungen an Kompensationsprojekte. Die von Rewe vorgelegten Zertifikate stammten demnach aus den Jahren 2010 bis 2012 - zu dieser Zeit habe das Projekt jedoch noch nicht existiert.

Grundsätzlich sei es irreführend, Fleischprodukte als "klimaneutral" zu bewerben, kritisierte Foodwatch weiter. Die weltweite Tierhaltung trage insgesamt 15 Prozent zu den von Menschen verursachten Klima-Emissionen bei.

Rewe erklärte auf Anfrage, dass eine Abmahnung nicht gerechtfertigt sei. Der Projektpartner Climate Partner habe gegenüber der Supermarktkette erklärt, dass die Kritik von Foodwatch auf "methodischen Fehlern" beruhe und somit nicht gerechtfertigt sei. Eine unabhängige Projektrating-Agentur habe die eingesparten CO2-Emissionen verifiziert.

Neben Rewe sind außerdem Produkte der Marken Danone, Naturally Pam, Darboven und Katjes für den Goldenen Windbeutel 2021 nominiert. Foodwatch forderte eine klare Regulierung von "nachhaltigen" Werbeversprechen. Mit dem Bedürfnis von Verbrauchern nach mehr Nachhaltigkeit wolle die Lebensmittelindustrie "Kasse machen". Klima- und Umweltwerbung auf unökologischen Produkten müsse gestoppt werden.

(xity, AFP)