24.09.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Foodwatch: "Schleichwerbung" in der Schule beenden

Foodwatch: "Schleichwerbung" in der Schule beenden

Verbot von Werbematerialen im Unterricht gefordert

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert eine kostenlose Abgabe von staatlich finanzierten Unterrichtsmaterialien über Ernährungsbildung an Lehrer und Schulen.

Berlin - Zwar gebe es zum Thema Ernährung über alle Klassenstufen hinweg hervorragendes, unabhängig erstelltes Material, beispielsweise von dem von der Bundesregierung finanzierten "aid Infodienst", erklärte die Organisation in Berlin. Dieses könnten Lehrer jedoch in der Regel nur gegen Gebühr bestellen - Lebensmittelhersteller und Wirtschaftsverbände gäben hingegen ihre oft stark werblichen oder interessengeleiteten Broschüren kostenfrei ab.

Durch die kostenlosen Unterlagen würden aber schon kleine Kinder in den Schulen direkten oder subtilen Werbe- und Lobbyeinflüssen ausgesetzt. "Gerade in der Ernährungsbildung müssen sich Lehrer ihre Unterrichtsmaterialien oft selbst organisieren und nötigenfalls aus eigener Tasche bezahlen", kritisierte der Foodwatch-Experte für Lebensmittelmarketing, Oliver Huizinga. Es sei "eine obskure Situation, wenn Lehrer die kostenlosen, mal fachlich durchaus guten, mal höchst zweifelhaften, in jedem Falle aber werblichen Angebote von Unternehmen dem fachlich ausgewogenen und vom Steuerzahler bereits finanzierten Material staatlicher Einrichtungen vorziehen".

Foodwatch forderte die Kultusminister der Länder auf, werbliche beziehungsweise von Lebensmittelunternehmen und -verbänden gesponserte Materialien an ihren Schulen zu verbieten. Bund und Länder müssten zudem eine Lösung dafür finden, dass die staatlich finanzierten Materialien kostenfrei abgegeben werden.

Zugleich kündigte Foodwatch eine E-Mail-Protestaktion an, mit der die Forderung an die Kultusminister unterstützt werden kann. "Erste Stunde Bio mit Ritter Sport, zweite Stunde Kochunterricht mit Dr. Oetker - so darf Schule nicht funktionieren", mahnte Huizinga. "Mit ihren kostenlosen Lehrmaterialien schleichen sich Unternehmen schamlos in die Klassenzimmer. Die Eltern sind gegen solche Einflüsse machtlos."

(xity, AFP)


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