16.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Femme fatale vs Vorstadtmutti

Femme fatale vs Vorstadtmutti

Wenn ein kleiner Gefallen schwere Folgen hat

Paul Feig zeigt mit seiner schwarzhumorigen Thriller-Komödie wieder einmal, dass er derzeit die interessantesten Frauenfiguren auf die Leinwand zu bannen vermag.

Düsseldorf - Über ihre Kinder lernen sie sich kennen: Der Sohn der - nach dem tragischen Tod ihres Mannes - alleinerziehenden Stephanie ist ein Schulkamerad des Kindes der Mode-PR-Chefin Emily. Schon allein deren Kleidung raubt Stephanie bei der ersten Begegnung den Atem: Meist trägt die abgründige Emily ikonische Herrenanzüge zu High Heels und wirkt, auch ohne nackte Haut zu zeigen, umwerfend sexy - eine kluge Variation der klassischen Femme fatale.

Kostümbildnerin Renée Ehrlich Kalfus muss großes Lob ausgesprochen werden, sowohl der brav-bunte Vorstadtlook von Stephanie, der sich im Laufe ihrer Entwicklung ein wenig wandelt, als auch Emilys toughes Outfit unterstreichen die Charaktere vorzüglich und karikieren vergnüglich gängige Frauenklischees. Zu dieser Stimmung des Films passt der Soundtrack aus französischen Popsongs von Serge Gainsbourg über Brigitte Bardot bis hin zu France Gall ganz hervorragend.

Trotz ihrer Gegensätzlichkeit freunden sich die häufig wie ein Pferdekutscher fluchende Emily und die ulkige Stephanie an, schlürfen Martinis in Emilys Designer-Haus und erzählen sich ihre intimsten Geheimnisse. Doch eines Tages bittet Emily Stephanie um den titelgebenden Gefallen: Stephanie soll ihren Sohn von der Schule abholen. Emily bleibt von da an verschwunden. Auch deren recht blass bleibender Ehemann Sean (Henry Golding), ein von Stephanie sehr bewunderter Schriftsteller, hat keine Ahnung, wo seine Frau - die er einmal als "wunderschönen Geist" bezeichnet - stecken könnte.

Stephanie, die nebenbei einen von Kameramann John Schwartzman hübsch in Szene gesetzten Video-Blog mit Rezepten und DIY-Tipps betreibt, versucht herauszufinden, was mit Emily passiert ist. Dabei nutzt sie ihren Blog - dessen Klickzahlen in die Höhe schnellen.

Die letzten beiden Akte des Films, der nun endgültig zu einem Thriller mutiert und viele Twists und falsche Fährten bereithält, sind eindeutig schwächer als der erste Teil, wirken konstruiert. Zwar möchte man wissen, wie es weitergeht, gefesselt wie bei einem reinen Psychothriller ist man aber eher nicht. Eigentlich hätte man lieber weiter den beiden gegensätzlichen Freundinnen zugeschaut - wie sie genussvoll ihre Rollen als Femme fatale und Vorstadtmutti demontieren.

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