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Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum der Nationalversammlung

Kirchen erinnern an Errungenschaften der Weimarer Verfassung

Mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst haben in Weimar die Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Konstituierung der Nationalversammlung begonnen.

Weimar - In einer gemeinsamen Predigt in der Weimarer Herderkirche erinnerten der katholische Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr und die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, an die Errungenschaften der Weimarer Verfassung. Mutige Frauen und Männer hätten vor 100 Jahren die Verfassung einer freiheitlichen Demokratie entworfen.

Bis heute brauche es Menschen, die am friedlichen Miteinander in der Gesellschaft mitwirkten und schauen, "dass alle genug haben und zu ihrem Recht kommen", sagte Junkermann. Ein wirklich demokratisches Miteinander sei "mitunter mühsam", aber fairer Streit gehöre dazu. "Schlimm, wenn es wie damals in der Weimarer Republik zu heftigen Kämpfen kommt", sagte sie mit Blick auf die Nationalsozialisten, die zum Ende der Weimarer Republik immer stärker wurden und schließlich die Demokratie aushebelten.

Auch Neymeyr zog Parallelen von der Weimarer Republik bis in die heutige Zeit. "Wir schauen mit Sorge auf unsere heutige Gesellschaft und ihre Zukunft: Gruppenbezogene Menschenverachtung findet Gehör, Antisemitismus in Worten und Taten nimmt zu, im Herzen der Demokratie in den Parlamenten wird der Ton aggressiv und polemisch", sagte er. Vor allem Christen sollten sich für ein freies, gleichberechtigtes, demokratisches Miteinander einsetzen.

Im Deutschen Nationaltheater in Weimar war am 6. Februar 1919 die Nationalversammlung zusammengetreten, die mehr als ein halbes Jahr in der thüringischen Kleinstadt tagte und den Beginn der ersten deutschen Demokratie markierte - der Weimarer Republik. An einem Festakt im Nationaltheater am Nachmittag wollen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU) teilnehmen.

Zentrale Elemente der am 31. Juli 1919 verabschiedeten Weimarer Verfassung waren die Volkssouveränität, die Gewaltenteilung, die Trennung von Staat und Kirche sowie die Grundrechte, darunter erstmals die staatsbürgerliche und familienrechtliche Gleichstellung der Frau. Die Verfassung schrieb plebiszitäre Elemente wie den Volksentscheid, Presse- und Versammlungsfreiheit, gleiches und allgemeines Wahlrecht fest.

(xity, AFP)


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