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Fast neuneinhalb Jahre nach Archiveinsturz zweiter Strafprozess in Köln begonnen

Oberbauleiter angeklagt - Vier Beschuldigte bereits seit Januar vor Gericht

Knapp neuneinhalb Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat ein zweiter Strafprozess um die Katastrophe mit zwei Toten begonnen. Vor dem Kölner Landgericht muss sich ein 64-jähriger Oberbauleiter wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Knapp neuneinhalb Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat am Donnerstag ein zweiter Strafprozess um die Katastrophe mit zwei Toten begonnen. Vor dem Kölner Landgericht muss sich ein 64-jähriger Oberbauleiter wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der Mann soll von Problemen bei den U-Bahnbauarbeiten vor dem Archivgebäude gewusst, aber nicht eingegriffen haben.

Der erste Strafprozess um den verheerenden Archiveinsturz vom 3. März 2009 war bereits im Januar vor dem Kölner Landgericht gestartet. Er richtet sich gegen vier Angeklagte, die beim U-Bahnbau mit Aufgaben der Bauleitung oder Bauüberwachung betraut waren. Das Verfahren gegen einen fünften Angeklagten in diesem ersten Prozess wurde zwischenzeitlich wegen einer schweren Erkrankung des Manns abgetrennt.

Der nun vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts geführte zweite Prozess ist auf Aussagen eines der Angeklagten im ersten Verfahren zurückzuführen. Dadurch ergab sich laut Staatsanwaltschaft gegen den 64-Jährigen, gegen den bereits ermittelt worden war, letztlich ein hinreichender Tatverdacht. Aus Sicht der Anklage soll der Oberbauleiter als Nebentäter Mitverantwortung für den Archiveinsturz tragen.

Das Gebäude des Kölner Stadtarchivs, eines der bedeutendsten Kommunalarchive Europas, war bei U-Bahnbauarbeiten in der Kölner Südstadt eingestürzt und hatte zwei Nachbarhäuser mit in die Tiefe gerissen. Zwei Anwohner kamen ums Leben.

Die beteiligten Baufirmen bestreiten, dass ein Baufehler Ursache der Katastrophe war. Bei dem Einsturz entstand ein Schaden in Milliardenhöhe - allein die Restaurierung und die Wiederherstellung des Archivguts dürften 627 Millionen Euro kosten.

Bei der strafrechtlichen Aufarbeitung steht die Justiz unter Zeitdruck: Wegen der zehnjährigen Verjährungsfrist müssen die Urteile bis Anfang März 2019 fallen. Dann tritt die sogenannte absolute Verjährung ein - die Angeklagten könnten dann strafrechtlich nicht mehr belangt werden. Für den zweiten Prozess um den Archiveinsturz beraumte die Kölner Strafkammer insgesamt 62 Verhandlungstage bis zum 1. März an.

© 2018 AFP


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