Experten untersuchen tote Seehunde von der Nordsee

Grippe könnte Ursache für vermehrte Todesfälle sein

An Schleswig-Holsteins Nordseeküste sterben weiterhin auffällig viele Seehunde. Experten sollen nun die Ursache klären.

Tönning - Nach den vermehrten Funden toter Seehunde an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste suchen Experten nach den Ursachen. Veterinäre sollen vor allem klären, ob Staupe- oder Grippeviren im Spiel sind.

Seit Anfang Oktober seien auf Inseln wie Helgoland und Sylt 180 verendete Tiere gefunden worden, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in Tönning. Tierärzte untersuchten die Tiere. Mit einem Ergebnis sei vor Freitag aber nicht zu rechnen, eventuell werde es auch länger dauern.

Grippe-Erreger waren im August bei mehr als 100 Seehunden nachgewiesen worden, die auf der dänischen Ostseeinsel Anholt verendet waren. An der Nordseeküste lebten 2013 laut offiziellen Zählungen knapp 27.000 Seehunde, davon in etwa 8300 in Schleswig-Holstein.

Nach Angaben der Fachleute der bekannten Seehundstation Friedrichskoog werden im Herbst und Winter häufig stark geschwächte Jungtiere, aber auch verendete ältere Tiere gefunden. Auslöser für deren Tod können verschiedene Krankheiten sein. Unter anderem schwäche Parasitenbefall die Tiere und löse Lungenentzündungen aus. Dies sei gerade bei jüngeren Exemplaren eine häufige Todesursache. Die Ursachen für die aktuellen Todesfälle seien bislang aber noch nicht "eindeutig geklärt", betonten die Experten.

1998 und 2002 töteten verheerende Staupe-Epidemien einen großen Teil der Seehund-Bestände an der Nordsee. Dabei handelt es sich um ein für den Menschen harmloses masernähnliches Virus, das auch Hunde befällt. Allein 2002 starben in der gesamten Nordsee mindestens 10.000 Tiere. Anschließend erholten sich die Bestände aber wieder und erreichten historische Höchststände. Ende der 1970er Jahre hatte es gerade einmal noch 1500 Tiere gegeben.

(xity, AFP)